Linde-Chef
Wolfgang Reitzle – Der Mann für schwierige Fälle

Immer, wenn in der deutschen Industrie ein Spitzenjob zu vergeben ist, fällt der Name Wolfgang Reitzle. Ob bei BMW, Porsche, VW oder jetzt Siemens, jedes Mal werden dem eleganten Manager mit dem charakteristischen Menjoubärtchen auch schwierige Aufgaben zugetraut. Nicht zu Unrecht, wie der erfolgreiche Umbau des Traditionskonzerns Linde gezeigt hat.

DÜSSELDORF. Früher galt er als reiner Autofachmann und Technikexperte. Doch mit dem erfolgreichen Umbau des Traditionskonzerns Linde hat Reitzle gezeigt, dass er auch auf ungewohntem Terrain bestens zurechtkommt. Aus dem Wiesbadener Mischkonzern mit den Sparten Industriegase und Gabelstapler hat Reitzle in nur vier Jahren den Weltmarktführer für Industriegase geformt, was ihm den Titel des Managers des Jahres 2006 eingebracht hat. Reitzle hat das Management ausgetauscht und auf Trab gebracht sowie die Renditen gesteigert: Aufgaben, die auch ein Spitzenmanager bei Siemens meistern muss.

Vor allem aber hat Reitzle den Umbau einschließlich des Verkaufs der Gabelstaplersparte an einen Finanzinvestor geschafft, ohne dass es große Unruhe im Konzern gegeben hat. Mit den Großaktionären Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank besprach er die Zukunftspläne, mit der Belegschaft die Folgen des Umbaus und scheute selbst nicht vor unpopulären Auftritten auf Betriebsversammlungen zurück.

Wo die Gewerkschaften bei Siemens gegen den geplanten Verkauf von VDO auf die Barrikaden gehen, hat Reitzle die Arbeitnehmer frühzeitig in den anstehenden Verkauf von Sparten eingebunden und so auf seine Seite gebracht. Auch bei der Auswahl der Käufer für die Gabelstaplersparte waren die Arbeitnehmervertreter beteiligt und konnten hinterher nicht dagegen opponieren. Standortsicherungsverträge verlangten zwar mehr Arbeit für weniger Geld, gaben der Belegschaft aber Sicherheit bei einem möglichen Verkauf. „Reitzle hat offen und klar informiert und Zusagen eingehalten“, lobt Thilo Kämmerer, Vertreter der IG Metall im Linde-Aufsichtsrat.

Deshalb will man ihn bei Linde nicht gehen lassen. Und auch Reitzle zieht es nicht unbedingt fort. Die Übernahme des einstigen Konkurrenten BOC ist zwar abgeschlossen, für die Integration der Briten in den Konzern rechnet Reitzle aber noch zwei bis drei Jahre. Der heute 58-Jährige sieht seine Aufgabe bei Linde noch nicht als beendet an. Deshalb wurde sein Vertrag auch im vergangenen Mai bis zum Jahr 2012 verlängert. Und Reitzle war immer vertragstreu, heißt es über ihn in Aufsichtsratskreisen. Außerdem würde ein Weggang von Reitzle jetzt bei Linde große Lücken reißen. Einen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden gibt es nicht. Drei der vier Vorstände sind erst seit kurzem in ihren Ämtern, zwei kommen vom übernommenen britischen Konzern BOC.

Auch das Geld dürfte Reitzle nicht reizen, eine schwierige Aufgabe wie bei Siemens zu übernehmen. Mit 8,2 Millionen Euro hat er im vergangenen Jahr fast doppelt so viel verdient wie der Siemens-Chef. Und den Sprung aus dem öden Industrieviertel in Wiesbaden, wo die Linde-Zentrale bisher beheimatet war, in die schicke Metropole München schafft der Manager mit dem Hang zum Luxus auch so. Für den neuen Großkonzern Linde entsteht gerade eine nagelneue Zentrale in der Münchener Innenstadt. Und die stilvolle Linde-Villa kann er mit seiner Frau, der TV-Moderatorin Nina Ruge, dann auch weiter bewohnen.

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