Linde-Chef Wolfgang Reitzle
Imagewandel eines bunten Hundes

Oft genug als Freund der Show verspottet, würde Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit der Übernahme des britischen Industriegase-Anbieters BOC endlich das Image eines „bunten Hundes“ ablegen. Es wäre das letzte Stückchen, das ihm auf dem Weg zum ernst genommenen Manager noch fehlt.

WIESBADEN. Das Bärtchen auf der Oberlippe von Wolfgang Reitzle verdankt seinen Namen Adolphe Menjou. Der war erst ein Dandy – und später ein Charakterdarsteller. So ähnlich ist es wohl auch mit Reitzle. „Ein Genie“, nannten ihn selbst seine Gegner, als er noch bei BMW arbeitete. „Bunter Hund“, sagte anerkennend sein langjährigerer Förderer, Ex-BMW-Aufsichtsratschef Eberhard von Kuenheim.

Zweimal wurde er übergangen, als der Chefposten bei BMW zu vergeben war. Und so verließ der ehemalige Entwicklungschef München und suchte sein Glück bei Ford. Schon mit seinem Wechsel zum eher langweiligen Gas- und Gabelstaplerkonzern Linde hat er einen Teil des Images abgelegt, ein Lebemann zu sein, der bei jeder Party auf dem roten Teppich mit Einstecktuch und Ehefrau, ZDF-Moderatorin Nina Ruge, fotografiert wird.

Und nun das: Linde macht ein Übernahmeangebot für BOC. Während der Vorstand des britischen Gas-Konzerns die Offerte per Presseerklärung zurückwies, betonte, dies sei einstimmig erfolgt und die Offerte von Linde unerbeten, schwieg Reitzle. Vorstand und Presseabteilung zogen sich zur Beratung zurück, waren lange nicht zu sprechen und teilten erst am Dienstagnachmittag mit, dass sie sich nicht äußern wollen.

Die Spekulationen über ein Zusammengehen von Linde und BOC sind nicht neu, trotz steter Dementis kocht das Thema immer wieder hoch. Die beiden würden einfach zu gut zusammenpassen: BOC ist mit einem Umsatz von 4,4 Milliarden Euro die Nummer zwei auf dem Weltmarkt für Industriegase – Linde mit knapp vier Milliarden Euro im Gasebereich auf Rang fünf. BOC hat eine starke Stellung in Großbritannien, Amerika und Asien – Linde in Kontinentaleuropa. Auch bei den Produkten gibt es kaum Überschneidungen.

Seit zwei Jahren melden vor allem britische Zeitungen regelmäßig, Reitzle und BOC-Lenker Tony Isaac seien sich schon einig. Reitzle hat dies stets und heftig dementiert. Lediglich technische Gespräche hat er eingeräumt, da beide Konzerne im Anlagenbau ihrer Gasaktivitäten zusammenarbeiten.

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