Lindt & Sprüngli
Der Premium-Mann

Ernst Tanner hat den altehrwürdigen Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli mächtig durchgewirbelt. Der Lohn: schwarze Zahlen und ein stetig steigender Aktienkurs.

ZÜRICH. Sollten Sie beim Lesen dieser Zeilen ein Stück Schokolade kauen – macht nichts. Ihre Figur wird nicht leiden. „Schokolade macht nicht dick, sondern glücklich.“ Das behauptet zumindest Ernst Tanner. Und der muss es wissen. Obwohl: So richtig neutral ist er in dieser Frage auch nicht, als Chef und Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, einem der weltgrößten Anbieter edler Schokolade.

Doch immerhin: Er wiegt, wie er so dasteht in seinem gedeckt blauen Anzug, kein Gramm zu viel. Und das, obwohl er gerade wieder eine von diesen rot eingepackten nougatgefüllten Kugeln verzehrt. Und noch eine.

Managern der Schokoladenindustrie begegnen die Menschen offener als Kollegen aus, sagen wir mal, der Maschinenindustrie. Es ist schon das Produkt, das Herzen öffnet. Dass es auch die Portemonnaies öffnet, daran hat Tanner hart gearbeitet.

Gestern wurde wieder abgerechnet: Umgerechnet 620 Millionen Euro Umsatz haben die Chocolatiers von Lindt im traditionell schwachen ersten Halbjahr erzielt, eine Steigerung von über 17 Prozent. Als Tanner vor mehr als zehn Jahren in die Führungsetage des Schokoladenherstellers vom Kilchberg bei Zürich einzog, waren es keine 250 Millionen.

Der Reingewinn beträgt aktuell 6,3 Millionen Euro. Damit hat die Schokoladenfabrik erstmals in der 160-jährigen Firmengeschichte innerhalb der ersten sechs Monate, in denen kein Weihnachtsgeschäft das Ergebnis nach oben treibt, überhaupt schwarze Zahlen geschrieben.

Aktionäre, die von der jährlichen Hauptversammlung in Zürich kommen, schleppen nicht nur regelmäßig einen blauen Koffer voller Schokolade nach Hause, sondern tragen seit Tanners Amtsantritt auch ein Strahlen im Gesicht, weil sich der Aktienkurs mal wieder vervielfacht hat.

Wie machen Sie das, Herr Tanner? „Der Aufbau einer Karriere gleicht dem Aufbau einer Premiummarke“, sagt Tanner in solchen Fällen und deutet damit an, wie sehr der Chef und sein Produkt miteinander verschmolzen sind.

Rudolph Sprüngli ist es, der letzte Firmenchef aus der Gründerfamilie, der 1993 sein Amt in die Hände des weit gereisten Bauernsohns aus dem Schaffhausischen legt. Tanner hatte es zuvor im Salben- und Putzmittelimperium des amerikanischen Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson zum Europa-Chef gebracht.

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