Liz Mohn
Die Matriarchin von Gütersloh

Keine Pressemitteilung, keine Betriebsfeier – Liz Mohn wird heute nur im Kreise ihre Familie auf Mallorca ihren 65. Geburtstag feiern. Ihr Geschenk: die Macht über Bertelsmann.

DÜSSELDORF. Unweit des Badeorts Alcudia besitzt die Ehefrau des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn eine Ferienvilla. Die Mohns ziehen sich gerne und oft in den stillen Winkel des Balearen-Eilands zurück. Liz Mohn, geborene Elisabeth Beckmann, steht im Zenit ihrer Macht bei Europas größtem Medienkonzern. Die ehemalige Telefonistin entschied gerade erst, den ungeliebten Mitgesellschafter Albert Frère auszubezahlen. 4,5 Milliarden Euro muss die Mohn-Familie an Darlehen aufnehmen. „Ruinös für Bertelsmann“, warnt ein Ex-Vorstand, der schon vor Jahren vor dem wachsenden Einfluss der Matriarchin warnte: Mit der Last der Kredite könne sich der Branchenprimus vorerst keinen teuren Zukauf mehr leisten.

Im Management hatte Liz Mohn noch nie viele Freunde. Führungskräfte rümpfen die Nase über das Selbstdarstellungstalent der Westfälin. Doch die willensstarke Dame hat sich von Kritik, Missgunst und Neid nie beeindrucken lassen. Ohne sie geht nichts mehr. Sie ist Sprecherin der Eigentümerfamilie, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Geschäftsführerin der Verwaltungsgesellschaft, Aufsichtsratsmitglied und stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung. Konzernchef Gunter Thielen ist ihr enger Vertrauter.

Liz Mohn ist die mächtigste Medienfrau Europas. Die stets elegant gekleidete Unternehmerin mit dem ausgeprägten Sinn für gutes Benehmen ist sich dessen bewusst. Sie hat ein Gespür für Menschen, Macht und Momente. Das bekam bereits der charismatische Thomas Middelhoff zu spüren, der vor vier Jahren den Bertelsmann-Chefsessel verlassen musste. Zu viel Börse, zu wenig Familie – das war sein Fehler.

Als vor drei Jahren der vom Management vergötterte Reinhard Mohn seine zweite Frau Liz zu seiner Nachfolgerin bestimmte, sagte Gerd Schulte-Hillen: „Wenn die Familie nun ein derart starkes Gewicht bekommen soll, wie Mohn es jetzt beabsichtigt, wird das Risiko von Fehlentscheidungen keineswegs kleiner.“ Diese öffentliche Kritik hat Liz Mohn dem einstigen Gruner + Jahr-Chef nie verziehen. Auch Schulte-Hillen wurde am Hofe Mohn verstoßen. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, tat ich alles, um es zu erreichen. Und in solchen Momenten flossen mir ungeahnte Kräfte zu“, sagt Liz Mohn über sich.

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