Locker zum Erfolg
Martin Blessing wird Commerzbank-Chef

Am Dienstag hat der Commerzbank-Aufsichtsrat den 44-jährigen Martin Blessing zum Chef des Instituts bestellt. Vom 15. Mai 2008 an wird er die Geschicke der zweitgrößten deutschen Bank leiten. Zwar konnte die Pleite der Commerzbank vor einigen Jahren abgewendet werden – doch vor Blessing liegt eine Vielzahl großer Herausforderungen.

FRANKFURT. Mitunter scheitert Martin Blessing schon heute mit dem Vorhaben, möglichst dreimal in der Woche am frühen Morgen zum Joggen zu gehen. Demnächst wird es für den 44-jährigen Commerzbank-Vorstand noch schwieriger werden, im Terminkalender Zeit für Sport zu finden. Der Aufsichtsrat hat ihn am Dienstag zum künftigen Chef von Deutschlands zweitgrößter Bank gekürt. Termin für den Amtsantritt ist die Hauptversammlung 2008.

Die Aufgabe, die Blessing als jüngster Vorstandssprecher in der Geschichte der 1870 gegründeten Commerzbank übernimmt, ist nur auf den ersten Blick komfortabel. Zwar hat Konzernchef Klaus-Peter Müller die vor wenigen Jahren noch kurz vor der Pleite stehende Bank wieder auf Kurs gebracht. Doch mit einer Marktkapitalisierung von 18 Mrd. Euro ist das Haus ein Zwerg im Konzert der Großen und dazu eher unrentabel. Ob die Bank allein überleben wird, hängt wesentlich von Blessings Geschick ab.

Als unprätentiös, verlässlich und kommunikativ wird der gebürtige Bremer mit dem mittlerweile lichteren Haar beschrieben. Ähnlich wie der vor wenigen Monaten angetretene Postbank-Chef Wolfgang Klein gehört Blessing zu einer neuen Generation von Bankern. Einstecktuch und Goldknöpfe am Sakko sind nicht sein Ding. „Wenn es ginge, würde er wahrscheinlich lieber in der Jeans seine Arbeit machen“, meint einer, der ihn näher kennt. Unterschätzen sollte man ihn trotz seines mitunter spitzbübischen Grinsens nicht. „Blessing ist sehr pfiffig, arbeitet schnell und kennt sich auch mit den Details aus“, meint ein früherer Verhandlungspartner. „Man sollte sich hüten, nur irgendetwas daher zu schwätzen.“ Geduld gilt nicht als Blessings Stärke.

Bankgeschäft hat in seiner Familie eine lange Tradition. Sein Großvater Karl Blessing war Präsident der Bundesbank, Vater Werner Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bank. Mit seiner Frau Dorothee steht der künftige Commerzbank-Chef sogar ein wenig in Konkurrenz: Sie ist Partnerin bei Goldman Sachs. Das dürfte immerhin dafür sorgen, dass die Arbeit nicht zum Gesprächsthema am Esstisch wird.

Zu Beginn seiner Karriere muss der traditionsreiche Familienname mitunter wie eine Hypothek auf Blessing gelastet haben. „Das war einmal ein Thema, aber das ist durch“, heißt es in seinem Umfeld. Blessing startet Anfang der 80er Jahre als Lehrling bei der Dresdner Bank. Es folgen Studium in St. Gallen und ein Master of Business Administration (MBA). 1989 heuert er bei McKinsey an, wo er zeitweise in New York arbeitet und mit 31 Jahren bereits zum Partner gewählt wird. 1997 wechselt er zur Dresdner zurück, wo das Privatkundengeschäft mitverantwortet. Zeitweise leitet er die Direktbank-Tochter Advance Bank, die später eingestellt wird.

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