Lockere Geldpolitik
Japans Dumping-Währung rüttelt an deutschen Firmen

Deutsche Unternehmen haben mit der lockeren Geldpolitik Japans heftige Probleme. Viele Konzerne melden Umsatz- und Gewinnrückgänge aufgrund des stark gesunkenen Yen. Und es kann noch schlimmer kommen.
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DüsseldorfDie Besitzer der Top-Restaurants in Japan sind ihrem Ministerpräsidenten dankbar wie nie. Seitdem Shinzo Abe im Amt ist, verkaufen sie so viel teuren Wein und edle Speisen wie selten. Der Grund: Abe hat die einheimische Währung Yen seit seinem Amtsantritt im zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zu Dollar und Euro abgewertet. Das bedeutet für Gäste aus dem Ausland, dass sie umgerechnet weitaus weniger für Essen und Wein zahlen müssen. Das hebt den Umsatz der Gourmet-Tempel.

Doch wo Sonne ist, gibt es auch Schatten – und der fällt unter anderem auf deutsche Konzerne. „Die Währung, die uns am meisten gekniffen hat, ist der Yen“, sagte Kurt Bock, Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF, am Freitag bei der Präsentation der jüngsten Quartalsergebnisse. Zwischen 150 und 200 Millionen Euro habe das Ergebnis des Ludwigshafener Unternehmens gelitten – nicht nur wegen des Yen, aber zu großen Teilen.

Was Bock in den Büchern sieht, ist die Folge eines Versprechens, das die im Dezember an die Macht gekommene Regierung unter Shinzo Abe gegeben hatte: Sie hatte zugesichert, mit enormen Konjunkturmaßnahmen 15 Jahre fallender Preise zu beenden. Doch der rasante Abstieg des Yens macht viele unglücklich. „Nur wenige deutsche Unternehmen können von der Währungsentwicklung profitieren, da nur wenige in Japan produzieren“, sagt Manfred Hoffmann, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Japan im Gespräch mit Handelsblatt Online. Dem Großteil bereite die Abwertung Probleme, vor allem jenen, die viel nach Japan exportieren.

Durch die Abwertung des Yen kosten europäische Produkte die Japaner dementsprechend mehr, wenn der Preis in Euro oder Dollar ausgehandelt wurde. Dadurch werden Produkte von Rivalen attraktiver. Dies trifft vor allem Unternehmen, die Serienprodukte oder Konsumartikel liefern und weniger die Hersteller von Spezialmaschinen und Luxusprodukten.

Aber alle Landesniederlassungen leiden bei der Umrechnung ihrer japanischen Umsätze in die Währung ihrer Zentrale: In Yen gibt es zwar gutes Wachstum zu verzeichnen, in Euro ist davon am Ende aber nicht mehr viel zu sehen, sagt Wirtschaftsdelegierter Hoffmann. Bei der BASF hat es in Asien in lokaler Währung ein Umsatzplus von vier Prozent gegeben – in Euro gerechnet gab es jedoch ein Minus von vier Prozent.

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  • Der Artikel ist ein Propagandawerk, das vorbereiten soll, den Euro um wenigstens 20% abzuwerten, wie es Montebourg fordert. Wenn der Euro "gerettet" würde und tatsächlich Stärke bewiese, dann wären die südeuropäischen und die französische Wirtschaft voll am A****! Das ist die Krux.

    Warten wir mal ab, wie es wird, wenn in Japan die Zinsen ein wenig steigen. Das deflationäre Umfeld der letzten Jahre kann sich zum Inflationsungeheuer wandeln. Es ist ein letztes Zucken...

  • Man sollte es eher Wettbewerbsverzerrung nennen, denn die Japaner betreiben Beggar Your Neighbour-Politik indem Sie versuchen, Ihre eigene Währung abzuwerten und somit den Export zu Lasten der Unternehmen aus anderen Staaten zu erhöhen. Außerdem hilft der Staat den japanischen Unternehmen bei der Übernahme ausländischer Firmen, wie gerade geschehen bei Grohe, wo die staatliche Development Bank of Japan nun Miteigentümer ist.
    Warum lassen wir uns auch das wieder einmal einfach so gefallen ? Ich jedenfalls boykottiere jetzt für meinen Teil alle japanischen Produkte.

  • @Angela-Wendehals
    Ich habe aber bisher nicht den leisesten Protest gegen die Aussphäung von der Deutschen Industrie wahrgenommen.
    Wer kann mir das erklären? Nur der normale Bürger empört sich.

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