Lohmann ist Chef der Schweizer Converium
Rückversicherung einmal anders

Opernfans könnte er an einen Wagnertenor erinnern: gedrungene Gestalt, rundes Gesicht mit Bart und Halbglatze und ein helles, explosives Lachen. Dirk Lohmann, Chef des Schweizer Rückversicherers Converium, galt in Detroit, wo er aufgewachsen ist, als Deutscher – das stand jedenfalls in seinem Pass.

HB ZÜRICH. Bei der Hannover Rück, wo er lange im Vorstand diente, war er „unser Amerikaner“. Und in Zürich rechnete ihn eine Zeitung zur Riege der „Teutonen“, die viele Chefsessel besetzt halten. In einem Punkt unterscheidet sich Lohmann aber kaum von den meisten Schweizern: Er fährt wie der Teufel Ski.

Die Rückversicherung ist eine unglaublich feine Branche. Selten trifft man dort Menschen, die von anderen in einer Kneipe spontan geduzt würden. Doch Lohmann gibt nicht viel um den zurückhaltend feinen Auftritt. In seinem Büro, das eine wunderschöne Aussicht auf den Zürichsee bietet, trinkt er das Mineralwasser direkt aus der Flasche. Wer ihn anrufen möchte, findet seine Durchwahl einfach im Internet.

Geht es allerdings ums Geld, ist Lohmann weniger unkonventionell. Seit Converium im Dezember 2001 von der Zurich Financial Services abgespalten und an die Börse gebracht wurde, hält er beim Rückversicherer unbeirrt an seiner konservativen Anlagestrategie fest. Ruhig sah er zu, wie die einstmals vor Kapital strotzenden großen Konkurrenten den Status des Unbesiegbaren verloren. Der spektakuläre Absturz der Gerling Rück bescherte ihm neue Kunden. So mancher deutscher Versicherer verlässt sich nun nicht mehr allein auf seine bisherigen Rückversicherer.

Im Unternehmen gilt Lohmann als Chef, der Fehlern schnell nachgeht, sie aber auch verzeiht. Als einer, der viel verlangt, aber auch die Grenzen seiner Mitarbeiter sieht. Als einer, der viel arbeitet, aber auch Zeit für Frau und Tochter hat.

Er hat Converium durch eine schwierige Phase in die Unabhängigkeit geleitet. Heute liegt in Kontinentaleuropa der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit des Rückversicherers. Zugleich ist die Aktie überwiegend in den Händen angelsächsischer Investoren und steht bei ihnen in Konkurrenz zu amerikanischen Rückversicherern vergleichbarer Größe. Converium bildet damit eine Brücke zwischen der amerikanischen und der europäischen Welt. Und hat dafür mit dem unkonventionellen US-Teutonen Lohmann einen passenden Mann im Chefsessel.

In der Züricher Finanzszene, wo die Menschen lieber leise sprechen und auch im Englischen den behäbigen, weichen Schweizer Tonfall beibehalten, fällt er aus dem Rahmen. Im breiten Midwest-Akzent spricht Lohmann mit angelsächsischen Analysten. Sein Deutsch dagegen ist nur gelegentlich von amerikanischen Einfärbungen durchsetzt. So sagt er nicht: „Das muss man so machen“, sondern: „Das musst du so machen.“ Deutsch erlernte er erst nach seinem Studium in Ann Arbor/Michigan, wo er Politikwissenschaften und Volkswirtschaft studierte.

Lohmann führte Converium durch schwierige Zeiten. 1997 wurde er Chef der Rückversicherungssparte von Zurich Financial Services, wie sich die traditionsreiche Zürich-Versicherung schon damals nannte. Der Konzern setzte mit teuren Übernahmen und dem Ehrgeiz, ein weltumspannender Finanzdienstleister zu werden, eine Menge Geld in den Sand. Seit einem Jahr wird er von seinem neuen Chef, James Schiro, mit einer Radikalkur saniert. Als sich die Probleme im Dezember 2001 abzeichneten, wurde die Rückversicherungssparte unter dem neuen Namen „Converium“ an die Börse gegeben – zu 100 Prozent. Was zunächst als wenig überzeugende Abspaltung eines kapitalschwachen Konzerns galt, hat sich inzwischen eine gute Position erobert. Die konventionellen Strategien des unkonventionellen Chefs, Dirk Lohmann, waren erfolgreich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%