Lone-Star-Chef Karsten von Köller
Der Lumpensammler greift wieder zu

Lone-Star-Chef Karsten von Köller als Lumpensammler der heimischen Finanzbranche zu bezeichnen, ist gewagt. Denn optisch will der 68-jährige Ex-Banker so gar nicht in dieses Bild passen: groß, schlank, gepflegt, stilvoll und mit prägnanten Gesichtszügen, die silbergrauen Haare stets mit akkuratem Seitenscheitel. Und dennoch - der Vergleich passt.

FRANKFURT. Denn mit der IKB sammelt der Chef von Lone Star Deutschland zum zweiten Mal binnen weniger Jahre die quasi verdorbenen Überbleibsel einer einst angesehenen Branchenadresse auf. Dabei stehen die Chancen gut, dass von Köller und der Finanzinvestor aus Texas auch bei dieser Schmutzarbeit wieder einen ordentlichen Schnitt macht.

"Von Köller ist ein gerissener Hund", sagt einer aus der Finanzcommunity mit Respekt. "Er ist Immobilienexperte durch und durch und extrem gut verdrahtet." Von der Ruhe und dem zurückhaltenden Auftreten des "Grandseigneurs der Immobilienbranche" sollte man sich indes nicht täuschen lassen. Zwar bleibt von Köller auf den zahlreichen Finanz-Empfängen in Frankfurt stets im Hintergrund. "Er hat aber eine sehr klare Vorstellung, was er will", sagt ein Kollege. "Und das sagt er auch direkt."

Karriere hat der Vater dreier Kinder trotz allem Understatement gemacht. Begonnen hat er sie Anfang der 70er Jahre bei der BHF-Bank. Mitte der 80er Jahre holt die Commerzbank den Juristen in den Vorstand ihrer Immobilientochter Rheinhyp. Sechs Jahre lang führt er zudem den Verband deutscher Hypothekenbanken.

Als 2002 die Rheinhyp mit den Immobilientöchtern von Deutscher Bank und Dresdner, Eurohypo und Deutsche Hyp, verschmolzen wird, übernimmt von Köller die Leitung des neuen Instituts. Dabei stellt sich heraus, dass die Fusion unter dem Namen "Eurohypo" auch für die Rheinhyp zur rechten Zeit kommt - was von Köller mit dem Zusammenschluss relativ gut unter den Tisch kehren kann. Eigentlich war es die Deutsche Hyp, bei der Kenner die größten Risiken vermutet hatten.

2004 räumt von Köller vor dem geplanten Börsengang seinen Platz. Allerdings nicht, um seinem Hobby, dem Golfen, zu frönen. Sondern um sich mit Mitte 60 nochmals in eine ganz andere Art von Geschäft einzuarbeiten. Von Köller wird Deutschlandchef von Lone Star, wechselt aus der angestaubten Hypothekenbranche zu einem Private-Equity-Haus. Oder, direkter: einem Geierfonds. "Er hat die Gabe, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen", urteilt ein Banker anerkennend.

Lone Star kauft alles, was sonst keiner haben will: milliardenschwere Portfolios mit faulen Krediten, Wohnungsbestände oder die 2005 kurz vor der Pleite stehende Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR). Bei letzterer handelt von Köller sogar noch knapp 900 Mill. Euro Mitgift aus - so marode ist die Bank. "Wir sind hungrig", resümierte von Köller einmal. 1995 gegründet, hat Lone Star seither mehr als 13 Mrd. Dollar für Investments eingesammelt. Doch die Amerikaner und von Köller verfügen nicht nur über Geld, sondern auch Expertise. Die AHBR saniert der Hypothekenbanker mit harter Hand. Heute ist das Institut mit dem neuen Namen Corealcredit um einige hundert Mitarbeiter ärmer und deutlich kleiner - aber eben profitabel.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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