L’Oreal-Chef
Jean-Paul Agon: Schüchterner Tabubrecher

Jean-Paul Agon hat einen schweren Stand. Der Franzose wird an seinem legendären Vorgänger gemessen. Und er muss den Kosmetikriesen L?Oreal durch die Konsumkrise führen. Er setzt auf neue Märkte und alte Menschen.

PARIS. Schlaksig geht er Richtung Podium. Dabei lächelt der 1,85 Meter große Jean-Paul Agon etwas schüchtern. Mit seinen schütteren Haaren und seinen strengen dunklen Anzügen wirkt der 52-jährige L?Oreal-Chef blass, fast etwas farblos.

Der Franzose ist kein Mann der vielen Worte. Doch wenn er etwas sagt, wirkt das überzeugend: "Ich habe keine Angst, auch wenn viele denken, dass ich zu optimistisch bin", sagt er selbstbewusst mitten in der Rezessionsangst, die den Luxuskonzernen zu schaffen macht.

Auch L?Oreal spürt die Konsumflaute in den USA und auf dem westeuropäischen Heimatmarkt. Umsatz und Gewinn des weltgrößten Kosmetikkonzerns, der Lancôme-Lippenstifte, Ambre-Solaire-Sonnenmilch oder Cacharel-Parfüms herstellt, sind im ersten halben Jahr 2008 längst nicht so gestiegen wie erwartet.

Der Gewinn nahm um 6,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu, der schwächste Zuwachs seit drei Jahren. Die Ergebnisse entsprachen zwar in etwa den Erwartungen der Analysten. Doch die Investoren sind nicht zufrieden. Die Aktie fällt gleich um drei Prozent auf 67,64 Euro.

Agon hat ein schweres Erbe übernommen. Er löste vor zwei Jahren den legendären britischen L?Oreal-Chef Sir Lindsay Owen-Jones ab, der eine stetige Erfolgsstory schrieb. Innerhalb von 18 Jahren vervierfachte er den Umsatz. Und Agon wird noch immer an dem charismatischen Gentleman gemessen. Agon hat den Posten ausgerechnet in einer Zeit übernommen, in der die Geschäfte immer schwieriger werden.

Doch er ist ein Kämpfer, jemand, der Widerstände zu lieben scheint. "Eine Persönlichkeit mit starkem Willen", heißt es über ihn bei L?Oreal. So hat er gleich eine Antwort parat, warum es weiterhin aufwärtsgehen soll: "Es gibt dafür zwei gute Gründe. Der erste ist die schnelle Entwicklung in den neuen Märkten und der zweite die Tatsache, dass die Bevölkerung älter wird. Man braucht Kosmetika länger und in besserer Qualität."

Deshalb ist Agon sicher, nach einer nicht so starken ersten Jahreshälfte mit 8,64 Milliarden Euro Umsatz das Wachstum bis Ende des Jahres zu verbessern. Allerdings hat er seine ursprüngliche Prognose von sechs bis acht auf nur noch sechs Prozent korrigiert. Im vergangenen Jahr waren es noch gut acht Prozent.

Der Realismus seines Zöglings, der gern Mozart hört und auch mal Alexandriner-Verse dichtet, imponierte schon seinem Vorgänger Owen-Jones. Der beschrieb ihn so: "Er ist klug, sympathisch, ehrlich und umsichtig." Aber schon als Owen-Jones zurücktrat, lag die Frage in der Luft: Droht damit das Ende der Erfolgsserie? Zumal frühere Studienkollegen Agon als "farblos und zurückhaltend" beschrieben.

Doch der dreifache Familienvater und begeisterte Skifahrer, der neben Carlos Ghosn von Renault zu den bestbezahlten Topmanagern Frankreichs zählt, hat seine Qualitäten schön früher bewiesen. Der gebürtige Pariser, einziges Kind eines Apothekers und einer Architektin, ging gleich nach der Wirtschaftsschule HEC zu L?Oreal.

Er wurde immer dort hingeschickt, wo es gerade mal brannte. Zuerst in Griechenland, als dort die Geschäfte schlecht liefen, dann in Asien zur Zeit der Börsenkrise und zuletzt in den USA, kurz vor den Terrorattentaten vom 11. September 2001. Jean-Paul Agon behielt immer die Ruhe.

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