L'Oréal-Erbin
Reichste Frau der Welt streitet mit Tochter um Geld

Weihnachten im engen Familienkreis - die laut "Forbes"-Magazin reichste Frau der Welt kann dieser Vorstellung seit einiger Zeit nicht viel Positives abgewinnen. Die milliardenschwere L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt liegt mit ihrer einzigen Tochter im Streit - und ein Ende ist nicht in Sicht.

dpa PARIS. Françoise Bettencourt- Meyers wirft der 86 Jahre alten Französin vor, im Zustand geistiger Unzurechnungsfähigkeit mit Geld um sich zu werfen. Den extrovertierten Fotografen François-Marie Banier soll sie mit Geschenken im Wert von rund einer Milliarde Euro bedacht haben. Die Tochter schaltete deswegen die Staatsanwaltschaft ein. Die "Schwäche" ihrer Mutter, die Hauptaktionärin des Kosmetikriesen L'Oréal ist, sei ausgenutzt worden, klagt sie.

Nicht mehr Herrin ihrer Sinne? Schwäche? Diese Vorwürfe will die alte Dame nicht auf sich sitzen lassen. Kurz vor Weihnachten holte Bettencourt jetzt zum verbalen Gegenschlag aus. "Was ist da bloß in meine Tochter gefahren? Das ist eine große Dummheit", zetert die Superreiche in einem Exklusiv-Interview mit dem französischen "Journal du Dimanche". Die ganze Sache sei vollkommen idiotisch und reine Energieverschwendung. Den Künstler Banier und sie verbinde eine mehr als 20-jährige Bekanntschaft, er habe ihr sehr geholfen - auch als sie im vergangenen Jahr ihren Mann André verloren habe. Ihr Gatte habe Banier ebenfalls seit 20 Jahren gekannt.

Das Verhalten ihrer Tochter kann sich die auf Fotos deutlich jünger wirkende Milliarden-Erbin nur mit Eifersucht oder einer tiefen Abneigung gegen den Künstler erklären. Ihre Tochter sei sehr verschlossen. Die Extrovertiertheit von Banier sei nervig für diese, erzählt die 86-Jährige freimütig. Gerüchte, dass sie den Fotografen, Schriftsteller und Maler adoptieren könne, seien jedoch haltlos. "Als ich die Geschichte von der Adoption, als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, ich träume. Ich hatte niemals die Absicht, einen Sohn zu adoptieren und schon gar nicht einen, der älter als 60 ist", bekräftigt die im noblen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine residierende Tochter des L'Oréal-Gründers Eugène Schueller.

Unverständlich sind Bettencourt die Vorwürfe nicht zuletzt wegen der ihrer Ansicht nach eindeutig geklärten Vermögensverhältnisse. Der Tochter werde künftig alles gehören, sagt sie. Das sei klar. Dennoch habe Françoise das Verfahren angestrengt und von ihr verlangt, ein psychiatrisches Gutachten machen zu lassen. "Ich habe einen berühmten Psychiater aufgesucht. Er hat mir gesagt: Alles in Ordnung", erzählt die Kunstliebhaberin.

Mitte des Monats hatten französische Medien unter Berufung auf Familienkreise berichtet, Françoise Bettencourt-Meyers ginge es keinesfalls ums Geld. Sie sei vielmehr in Sorge, dass ihrer Mutter die Kontrolle über das Vermögen entgleite und ein wenig gewissenhafter Mensch davon profitiere. François-Marie Banier gilt in Frankreich als Dandy mit berühmten Freunden, zu denen unter anderem Isabelle Adjani und Caroline von Monaco zählen sollen. Für das bekannte US-amerikanische Magazin "The New Yorker" fotografiert der 61-Jährige Stars wie Karl Lagerfeld. Auch Kate Moss und Mick Jagger standen schon vor seiner Kamera.

Ein glückliches Ende des Streits ist derzeit nicht in Sicht. "Ich habe meine Tochter seitdem nicht mehr gesehen - und habe dazu auch keine Lust", sagt Bettencourt, dessen Vermögen vom Magazin "Forbes" zuletzt auf rund 23 Mrd. Dollar (16,5 Mrd. Euro) geschätzt wurde. Der unter anderem mit Lebensversicherungspolicen und einem Picasso-Gemälde beschenkte Banier soll wegen der Vorwürfe gegen ihn sogar eine Klage wegen Verleumdung in Betracht ziehen. Es gebe einerseits "eine zweifellos tiefe und alte familiäre Verletzung" und andererseits "eine wunderbare Geschichte der Freundschaft" und ein geteiltes literarisches und künstlerisches Interesse, beschreiben seine Anwälte das Problem.

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