Lothar Späth
Karriere eines Wandlungsreisenden

Lothar Späth war Beamter, Politiker und Manager. Nun arbeitet er für die Investmentbank Merrill Lynch und feiert seinen 70. Geburtstag.

STUTTGART. Seine Karriere hatte viele Höhen, aber auch einige Tiefen. Lothar Späth jedoch abzuschreiben hat sich stets als voreilig herausgestellt. Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der morgen 70 Jahre alt wird, mischt auch heute noch mit. Als Deutschland-Chef der Investmentbank Merrill Lynch berät er Porsche bei der Übernahme des größten europäischen Autokonzerns VW, einem der größten Deals. Nebenbei kommentiert er pointiert als Gastautor des Handelsblatts jeden Mittwoch die deutsche Wirtschaftspolitik unter dem Titel "So seh ich es“.

Späth war Beamter, Manager, Politiker, Talkmaster, Unternehmer und ist nun Banker. Und zwischendurch half er noch einmal Edmund Stoiber bei der Bundestagswahl 2002. Vergebens, sonst wäre Späth wohl noch einmal in die Politik zurückgekehrt.

Dahin, wo seine Karriere so abrupt endete. Genau: am 13. Januar 1991 in der Villa Reitzenstein. Kurz nach Bekanntgabe seines Rücktritts als Ministerpräsident von Baden-Württemberg bahnt er sich im Regierungssitz einen Weg durch die Fotografen. Bohrende Fragen der Journalisten nimmt er kaum noch wahr. Das Gesicht ist blass. Die Hände an der Hosennaht zur Faust geballt, fordert er die Menge auf, ihn und seine Familie endlich in Ruhe zu lassen. Der Superoptimist Späth scheint am Ende seiner Kräfte. Es ist die Beerdigung einer politischen Karriere erster Klasse.

Der Niedergang seiner 13 Jahre überwiegend erfolgreichen Regentschaft im deutschen Südwesten hatte eigentlich schon früher begonnen. Im September 1989 hatte Späth sich auf dem Bremer CDU-Parteitag nicht getraut, gegen Helmut Kohl anzutreten, obwohl es in der Partei eine große Opposition gegen Kohl gab. Die Delegierten ließen ihn ebenso fallen wie die Medien, die ihn zum "Reservekanzler“ aufgebaut hatten.

Der zuvor kometenhafte Aufstieg des fleißigen Finanzbeamten aus Bietigheim zum jüngsten Ministerpräsidenten der Republik brachte ihm viel Bewunderung, aber auch Neid ein. Als Nachfolger Filbingers prägte er damals einen offenen, neuen Regierungsstil. Sein Faible für High Tech, Technologietransfer und Bürokratieabbau, gepaart mit Fleiß und Perfektionismus, sorgte für den Spitznamen "Cleverle“. Er lernte durch Beobachtung und verkündete gerne die daraus gezogenen Lehren.

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