Louis Schweitzer stellt beim Autokonzern die Mannschaft für seinen Nachfolger auf
Renault krempelt Vorstandkomplett um

Manche Ereignisse werfen ihre Schatten weit voraus. Bereits rund vier Monate vor seinem Abgang bereitet Renault-Vorstandschef Louis Schweitzer die Ankunft seines Nachfolgers, Nissan-Chef Carlos Ghosn, auf höchster Management-Ebene vor.

PARIS. Schweitzer baut das Exekutiv-Komitee des französischen Autokonzerns im Einvernehmen mit Ghosn grundlegend um. „Das ist etwas untypisch, aber ich glaube, ganz vernünftig“, sagte Renault-Chef Schweitzer in einem Interview mit der französischen Zeitung „Figaro“.

Einschließlich Schweitzer verlassen im nächsten Jahr fünf von sieben Managern das Führungsgremium. Die Funktionen der neuen Führungsriege werden zudem parallel zu denen beim japanischen Autobauer Nissan verteilt. Damit soll dem neuen Spitzenmann Ghosn die Arbeit erleichtert werden, der ab April kommenden Jahres beide Konzerne leiten will. Renault ist mit 44,4 Prozent an Nissan beteiligt.

Bereits Ende des Jahres verlässt Marketing- und Vertriebsvorstand François Hinfray den Konzern. Der 50-Jährige hat es geschafft, dass sich Renault trotz aller Konkurrenz auf Platz eins aller Marken in Europa halten konnte. Daher hatte er sich auch Hoffnungen gemacht, Schweitzer einmal beerben zu können. Hinfrays Nachfolger wird Patrick Blain, 52, derzeitiger Vertriebschef für Europa.

Pierre-Alain De Smedt, 60, der aktuell für Industrie und Technologie-Fragen verantwortlich ist, geht zum Ende des Jahres in den Ruhestand. Für ihn rückt Jean-Louis Ricaud, 52, in das Exekutiv-Komitee auf. Er verantwortet auch die Bereiche Qualität und Engineering. Ebenfalls neu im engsten Führungskreis ist ab kommendem Jahr Michl Gornet, 58, der für den Bereich Produktion die Verantwortung tragen soll.

Patrick Faure, 58, verlässt zum Jahresende das Exekutiv-Komitee und kümmert sich fortan ausschließlich um das Formel-1-Team von Renault. Bislang ist Faure auch für die Kommunikation zuständig. Doch wird dieser Bereich künftig direkt beim Chief Executive Officer (CEO) angesiedelt – so, wie das bei Nissan bereits der Fall ist. Ebenso wird der Einkauf künftig bei Renault ebenfalls direkt vom CEO Ghosn verantwortet.

Zum Juli kommenden Jahres schließlich wechselt Georges Douin, 59, in den Ruhestand. Er verantwortet die Bereiche Produktplanung & Strategie und war seit 1992 Mitglied im Exekutiv-Komitee. Finanzvorstand Thierry Moulonguet und Personal-Chef Michel de Virville behalten ihre Posten. Diese gelten gelten als wichtige Schnittstellen mit der französischen Politik; schließlich ist der Staat noch Großaktionär bei Renault.

Analysten begrüßten die frühe personelle Weichenstellung. „Das erleichtert den Start von Ghosn im kommenden Jahr“, kommentierten die Experten der Deutschen Bank. Konzernkenner halten den frühen Wechsel im Top-Management zudem für einen Schritt, um die Akzeptanz von Ghosn bei den Renault-Mitarbeitern zu erhöhen. Denn dieser pflegt einen angelsächsisch-durchgreifenden Management-Stil. Sein Vorgänger Louis Schweitzer gilt als wesentlich diplomatischer. Nach fünf Jahren Arbeit in Japan wird sich auch Ghosn an seinen neuen Top-Job in Paris erst noch gewöhnen müssen.

Hätte Ghosn gleich zu seiner Amtseinführung im April kommenden Jahres begonnen, im Vorstand aufzuräumen, hätte das kaum dazu beigetragen, die Renault-Mitarbeiter für ihren neuen Chef zu mobilisieren.

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