LTU und DBA
Chefpilot außer Kontrolle

Er war der Erste, der im großen Stil gegen den deutschen Luftfahrt-Primus Lufthansa anflog. Doch das reichte dem Mann, der als Textilunternehmer groß geworden war, nicht. Er übernahm den Ferienflieger LTU. Mit diesem Kauf stößt Hans Rudolf Wöhrl aber an seine Grenzen.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Ein Brief. Wieder ein Brief von Hans Rudolf Wöhrl. Die Mitteilsamkeit des Textil- und Flugunternehmers ist in der Branche berüchtigt. Der 58-Jährige schreibt interne Mitteilungen, die schon mal vier Seiten lang werden – mit Anekdoten, die bis in die Jahre vor Christus reichen: „Noch so ein Sieg und ich bin verloren“, hat er der Belegschaft seiner Fluglinie DBA mal in Anlehnung an den Pyrrhischen Krieg geschrieben. Wöhrl bringt alles zu Papier, was er auf dem Herzen hat. Doch er kann auch die moderne Variante: Dann beruft er Pressekonferenzen ein, von denen die Kommunikatoren seiner Firmen nichts wissen. Wenn er das große Publikum braucht, ruft er Sabine Christiansen an. So einfach ist das.

Umso überraschender ist der jüngste Brief Wöhrls an 2 800 Mitarbeiter der Ferienfluggesellschaft LTU, denen er seit dem Ausstieg des Handelskonzerns Rewe als Mehrheitseigner vorsteht. Darin kündigt er das Ende des sanften Sanierungskonzeptes an, schreibt von „finsteren Plänen“ und davon, dass die Belegschaft „in nächster Zeit wenig von unseren Plänen hören“ wird. Ein Strategiebruch des sonst auf Transparenz bedachten Sanierers? Eine unüberlegte Handlung? Oder nur die absehbare Folge einer Inszenierung, die auf ein unheilvolles Ende schließen lässt? Ein Erklärungsversuch in drei Abschnitten.

Februar 2006: Der Seminarraum im Düsseldorfer Flughafen ist zu klein für die Veranstaltung, zu der Wöhrl eine ganze Entourage von Managern mitgebracht hat: Rewe-Chef Achim Egner ist da, sein Finanzvorstand Norbert Fiebig, LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach und der Schwiegersohn Wöhrls, Peter Oncken. Doch das Wort führt allein der Senior: Der sitzt in der Mitte des Podiums, mit feuerroter Krawatte, und verspricht nicht weniger als eine „Revolution im Luftverkehr“. Gemeinsam sollen die Fluglinien DBA und die Neuerwerbung LTU „der erste Low-Cost-Carrier mit weltweitem Netz“ werden. Wöhrls hemdsärmelige PR-Show zeigt Wirkung: Bei aller Frische und dem kraftvollen Optimismus, den der Textilunternehmer ausstrahlt, blenden viele Beobachter die Fakten an diesem Freudentag einfach aus: Dabei kämpft Wöhrls DBA im innerdeutschen Verkehr gegen eine übermächtige Lufthansa, die LTU ist finanziell wie strategisch in desolater Verfassung.

Der neue Mann an der Spitze zerstreut an jenem Februar-Tag sogar die Ängste des LTU-Personals, das angesichts chronischer Verluste die nächste Schrumpfkur fürchtet. Freilich, es müsse auch gespart werden, sagt Wöhrl. Auf seiner Agenda aber steht keine Kündigungswelle, sondern Wachstum.

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