Luft- und Raumfahrttechnik
Geschäftspartner zwischen Höhenflug und Risiko

Die Luft- und Raumfahrttechnik gilt als lukrativer Markt für Hersteller von Präzisionswerkzeugen. Neue Trends verlangen nach neuen und hochwertigen Maschinen und füllen die Auftragsbücher der Produzenten. Doch das Geschäft unterliegt Schwankungen.

BREMEN. Ulrich Clößner hat ein einfaches Rezept für den Erfolg seines seit dreißig Jahren kontinuierlich wachsenden Unternehmens: "Wir kaufen jedes Jahr ein bis zwei neue Maschinen", sagt der Geschäftsführer der Clößner GmbH im mittelhessischen Ehringshausen-Daubhausen. "Denn nur mit dem neusten technischen Standard können wir unseren Wettbewerbsvorteil behalten."

Dass Clößner regelmäßig 50 Prozent des Gewinns in neue Sondermaschinen investiert, ist nicht selbstverständlich. Denn das Unternehmen mit 60 Mitarbeitern produziert Bauteile für die großen Namen der Luft- und Raumfahrtindustrie, beispielsweise Sicherheits-Verstärkungen für Cockpit-Türen. Und die Aufträge von Lufthansa, Airbus und Co. schwanken extrem von Großprojekt zu Großprojekt. "Vor einiger Zeit zum Beispiel bekamen wir mit einer Vorlaufzeit von vier Wochen den Auftrag, über einen Zeitraum von zwei Jahren 100 Flugzeuge mit einem bestimmten Bauteil auszustatten", erzählt Ulrich Clößner. "Wenn man dann nicht den entsprechenden Maschinenpark besitzt, kann man so etwas nicht leisten." Besonders stolz ist Clößner auf eine Spezialmaschine zur Profilbearbeitung von Schrank- und Kabinen-Designs speziell in der Luftfahrtindustrie. Von dem Gerät sind weltweit nur fünf Stück im Einsatz.

Die Luft- und Raumfahrttechnik gilt als eine der wichtigsten wachsenden Industrie-Branchen in Deutschland, und wegen ihrer starken Innovationskraft strahlt sie auf viele andere Industriezweige aus. Über 70000 Menschen sind laut Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) dort beschäftigt. Und immer häufiger arbeiten sie mit ungewöhnlichen, neu entwickelten Werkstoffen - die Luft- und Raumfahrt gilt hier als Trendsetter, und das wiederum freut die Werkzeugindustrie: Denn die in Flugzeugen eingesetzten Materialien müssen nicht nur äußerst präzise bearbeitet werden, sondern auch besonders leicht und gleichzeitig belastbar sein.

Um beispielsweise acht Quadratmeter große Aluminiumplatten, die später als Bauteile für Flugzeug-Flügel dienen, zu zerspanen, hat die Dörries eine Maschine namens "Eccospeed" entwickelt. "Die Luft- und Raumfahrt ist für uns ein sehr interessanter Markt, der sehr anspruchsvoll ist und viele Chancen bietet", berichtet Geschäftsführer Norbert Hennes. "Das Geschäft hängt allerdings von wenigen Großprojekten ab, weshalb man diese Branche nicht als alleiniges Standbein halten sollte." Bei Dörries Scharmann macht der Aircraft-Bereich aber immerhin rund 35 Prozent des Umsatzes aus. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Mönchengladbacher Unternehmen mit 700 Mitarbeitern insgesamt etwa 140 Mill. Euro.

Vertikale Drehmaschinen, die zur Herstellung von Triebwerksteilen dienen, und Fräsmaschinen, mit denen die bis zu fünf Meter langen Landebeine von Flugzeugen geformt werden, gehören zu den Anfertigungen, auf die sich der Anbieter spezialisiert hat. "Die Anforderungen an die Präzisionsmaschinen steigen stetig", weiß Geschäftsführer Hennes. "Denn die Bauteile in der Luftfahrtindustrie werden immer größer und komplexer." Weil in Deutschland lange Zeit versäumt worden sei, in moderne Technik zu investieren, steige der Bedarf an hochwertigen Zerspanungsmaschinen zusätzlich an. "Wir erkennen zudem die Entwicklung, dass in der Luft- und Raumfahrt Aluminium-Bauteile durch Titan ersetzt werden", berichtet Hennes - und rechnet mit vollen Auftragsbüchern: "Die dafür notwendigen Präzisionsmaschinen müssen robuster sein."

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