Luftfahrt-Branche
W. Prock-Schauer: Keine Angst vor Turbulenzen

Herkulesaufgaben können Wolfgang Prock-Schauer nicht schrecken. Nach der indischen Jet Airways nimmt sich der Luftfahrt-Manager nun die marode Lufthansatochter BMI vor. Ist er erfolgreich, empfiehlt er sich für höhere Aufgaben.
  • 0

NEU-DELHI/FRANKFURT. Große Aufgaben trägt Wolfgang Prock-Schauer mit Fassung, selbst wenn sie ungefragt reinschneien wie vor einigen Jahren. Damals „beschleunigte“ Naresh Goyal, der Gründer und Chairman der indischen Fluggesellschaft Jet Airways, eine Entscheidung des zögernden Luftfahrtspezialisten mit einem eigentlich unverschämten Trick.

Ohne Unterschrift unter dem Vertrag ließ er in der heimischen Presse den Wechsel von Prock-Schauer zu Jet Airways verkünden – zur Überraschung des Betroffenen und auch seines damaligen Arbeitgebers Austrian Airlines. Dieses Mal geht es immerhin gesitteter zu, gleichwohl ist die Aufgabe nicht weniger herausfordernd. Der 52-jährige Luftfahrt-Manager übernimmt ab dem 1. November die Führung der schwer angeschlagenen britischen Airline BMI, einer Tochter der Lufthansa.

Die „Jobdescription“ hat Stefan Lauer, Lufthansa-Vorstand und unter anderem verantwortlich für die Integration der Beteiligungen des Kranichs, ihm unverblümt mit auf den Weg gegeben. „Wolfgang Prock-Schauer wird die bereits begonnene Sanierung von BMI vorantreiben. Wir freuen uns, dass wir genau die richtige Person für diese Aufgabe gewonnen haben“, sagte er am Donnerstag.

Mit schwierigen Sanierungsfällen kennt sich Prock-Schauer aus, in der Tat. Jet Airways steckt tief in den roten Zahlen, seit im vergangenen Jahr Indiens einst boomende Luftfahrtbranche abgestürzt ist. Die größte private Airline Indiens hat Schulden von mehr als drei Mrd. Dollar angehäuft. Jedes Quartal kommt ein zweistelliger Millionenbetrag hinzu. Prock-Schauer, der sich selbst als „konziliant im Ton, aber hart in der Sache“ beschreibt, versuchte, die Reißleine zu ziehen. „Das darf so nicht weitergehen“, erklärte er zu Jahresbeginn dem Handelsblatt.

Doch der gebürtige Wiener durfte nicht so, wie er wollte. Das harte Sparprogramm, das er Jet Airways verordnete, kam nicht an, weder bei der Belegschaft noch beim Gründer Goyal. Den hatte Prock-Schauer mit dem erfolgreichen Börsengang der Airline 2005 zwar zum Milliardär gemacht, dennoch fuhr ihm der listige Selfmade-Unternehmer schwer in die Parade. Als Prock-Schauer im Frühsommer die Entlassung von 800 Flugbegleitern ankündigt, pfeift ihn Goyal nach zwei Tagen öffentlicher Proteste zurück.

Seite 1:

W. Prock-Schauer: Keine Angst vor Turbulenzen

Seite 2:

Kommentare zu " Luftfahrt-Branche: W. Prock-Schauer: Keine Angst vor Turbulenzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%