Luftfahrtbranche
Alitalia-Verwaltungsratschef wirft hin

Nach nicht einmal sechs Monaten hat der Verwaltungsratschef der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia, Berardino Libonati, seinen Rücktritt eingereicht. Der angesehene Universitätsprofessor gibt an, er habe seinen Job als Begleiter der Verkaufsverhandlungen angesehen - da die nun gescheitert seien, werde ein Manager gebraucht.

HB ROM. Der Rechtswissenschaftler hatte erst im Februar das Zepter bei der maroden Fluggesellschaft übernommen, nachdem Giancarlo Cimoli nach fast drei Jahren das Handtuch geworfen hatte. Die Regierung in Rom wolle nun Maurizio Prato als Nachfolger Libonatis vorschlagen, einen Manager mit langjähriger Erfahrung unter anderem im Luftverkehrs-Sektor, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Erst am Dienstagmorgen war bekannt geworden, dass die italienische Regierung eine Kapitalaufstockung für die Airline plant. So soll nach dem Mitte Juli gescheiterten Bieterverfahren der Einstieg von privaten Investoren in die hoch verschuldete Fluggesellschaft ermöglicht werden, wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete.

Einzelheiten wollte der Verwaltungsrat am Mittwoch bekannt geben. Zuvor wollen die Verantwortlichen über einen neuen Rettungsplan für die Gesellschaft diskutieren. Dieser könnte unter anderem die Streichung unrentabler Flugverbindungen sowie einen Ausbau des Streckennetzes zwischen Italien und den europäischen Hauptstädten vorsehen, hieß es.

Durch diese Neuorganisierung soll die Regierung in Rom Zeit bekommen, um neue Verhandlungen über den Verkauf der Airline zu beginnen. Die italienische Fluglinie Air One, die als letzte aus dem Bieterverfahren ausgestiegen war, hat nicht ausgeschlossen, unter anderen Bedingungen wieder zu Gesprächen bereit zu sein.

Die Regierung in Rom hält 49,9 Prozent an Alitalia und will sich davon zumindest größtenteils trennen. Alitalia machen Streiks, eine alte Flotte und ineffiziente Strukturen zu schaffen. Europäische Wettbewerber wie die Lufthansa haben stets betont, die Airline müsse radikal umstrukturiert werden, um als Übernahmekandidat interessant zu werden. Investoren werden indes von Befürchtungen abgeschreckt, dass die italienische Regierung dem neuen Besitzer beim Abbau der derzeit 20 000 Arbeitsplätze Steine in den Weg legen könnte.

Die Fluggesellschaft hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von gut 600 Millionen Euro geschrieben. Am Dienstag erklärte der Konzern, die Nettoverbindlichkeiten seien im Juni im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Prozent auf 1,034 Milliarden Euro reduziert worden.

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