Lufthansa-Cargo-Chef
Carsten Spohr: Krisenpilot in der Bewährungsschleife

In jeder Krise liegt eine Chance. Diese Erkenntnis gilt für Lufthansa-Cargo-Chef Carsten Spohr gleich in doppelter Weise. Angesichts einbrechender Nachfrage muss er nicht nur die richtigen Chancen für die Lufthansa-Frachttochter finden. Wenn sich der 42-Jährige dabei bewährt, könnte ihn das auch auf der Karriereleiter weiter nach oben katapultieren, vielleicht gar bis auf den Konzern-Chefposten.

FRANKFURT. Seit gut zwei Jahren leitet Carten Spohr Lufthansa Cargo. Als er anfing, war Skepsis bei den Mitarbeitern spürbar. Ein Kollege aus dem Passagierverkehr - dort war Spohr zuletzt Bereichsvorstand gewesen - in der ganz eigenen Welt der Luftfracht? Das sorgte für Stirnrunzeln. Doch Spohr überzeugte, mit Offenheit, Fachwissen und Charme. "Er ist authentisch geblieben. Das war die halbe Miete", beschreibt ein Lufthanseat die Stimmung.

Die Sympathie und Akzeptanz kann der Vater zweier Töchter gut gebrauchen. Denn er muss die Frachttochter der Lufthansa durch turbulente Zeiten steuern. Im Januar ist die Frachtmenge um fast ein Viertel eingebrochen. Bereits im Dezember hatte es einen ähnlichen Rückgang gegeben. Spohr fackelte nicht lange. Er gab gecharterte Maschinen zurück, übertrug der chinesischen Beteiligung Jade Aufgaben und verhandelt derzeit Kurzarbeit für 2 600 Cargo-Mitarbeiter. Doch das, da sind sich Beobachter einig, wird kaum reichen. "Spohr wird nachlegen müssen", heißt es auch intern bei Cargo.

Dass Spohr in der Lage ist, die Krise zu managen, daran zweifelt in und um Lufthansa keiner. Schon in guten Tagen hat der gelernte Wirtschafts-Ingenieur und Flugkapitän die Weichen gestellt. So gründete er mit der Post-Tochter DHL das Fracht-Joint-Venture Aero-Logic. Damit kann Spohr seinen Kunden nicht nur ein weltweites Netz bieten, er hat auch seinen Handlungsspielraum erhöht. Aufträge könnten künftig verstärkt an Aero-Logic gegeben werden, die eigene Frachterflotte, abbezahlte MD11-Maschinen, dagegen ohne große Fixkosten-Belastung am Boden bleiben.

Ganz ähnlich bei der Beteiligung an Jade: Zwar leidet das Unternehmen unter der Krise, und bis das Engagement schwarze Zahlen abwerfen wird, dauert es noch einige Zeit. Aber auch hier kann Spohr mit den Kapazitäten jonglieren.

Die Krise gibt ihm nicht nur die Chance, sich zu beweisen. Er gewinnt auch Zeit, wenn es um die Frage des künftigen Konzernchefs geht. "Noch wäre er für diese Aufgabe wohl einfach zu jung", heißt es im LH-Umfeld. Da passt es gut, dass sich die Zeichen mehren, LH-Chef Wolfgang Mayrhuber wolle noch ein paar Jahre dranhängen. Sollte die Nachfolge dann doch irgendwann anstehen, hätte Spohr einen Fürsprecher sicher: Aufsichtsratschef Jürgen Weber. Zwischen 1995 und 1998 war Spohr dessen Assistent, als Weber auf dem LH-Chefposten saß.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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