Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber
Höhenflieger unter Druck

Freitags München-Schanghai mit LH 726, sonntags Schanghai-Peking, dienstags Peking- Frankfurt – und wieder zurück ins Büro. Ochsentouren wie diese sind Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber kaum anzusehen: Ein Jungmanager ist er mit seinen 57 Jahren nicht mehr, aber das lockige Haar, die sportlich-schlanken 1,90 Meter und sein charmantes Auftreten verstecken einige Jahre.

HB FRANKFURT. Im fernen China wirkt das Lächeln des gebürtigen Österreichers noch einen Tick freundlicher als daheim – aus gutem Grund: Hier verdient Lufthansa das Geld, das den Konzern weit abhebt von all den maroden Airlines, die durch den weltweiten Vormarsch der Billigflieger immer dichter an den Abgrund rutschen. Lufthansa segelt vergleichsweise sicher durch die Wolken. Heute legt Mayrhuber das Ergebnis des traditionell starken dritten Quartals vor. Am Jahresende will er einen operativen Gewinn von 300 Mill. Euro vorzeigen.

Doch gute Ergebnisse sind für Mayrhuber derzeit nur bedingt ein Segen. Sie machen es dem Konzernchef noch schwerer, die Belegschaft von weiteren Einschnitten zu überzeugen. Und die müssen sein. Mit Blick auf die aggressiv wachsenden Billigflieger will Mayrhuber 1,2 Milliarden Euro bis Ende 2005 einsparen. Die Kapitalseite im Aufsichtsrat, vertreten durch die Vorstandschefs von Allianz, Deutscher Bank und Deutscher Post, hat den Finger gehoben: „Das Sparprogramm hinkt den Plänen hinterher“, heißt es dort. Der Druck auf Mayrhuber wächst, noch mehr Druck zu machen.

Da ist China fast eine Erholung. Hier ist die Lufthansa „in drei Geschäftsfeldern weltweit die Nummer eins“, wie Mayrhuber in Schanghai betont. Der Maschinenbauingenieur schwärmt vom Passagierverkehr auf China-Strecken, der bis 2007 um weitere 50 Prozent ausgebaut werden soll. Er verweist aber auch auf das wachsende Fracht- und Wartungsgeschäft, das Lufthansa gemeinsam mit Air China vorantreibt. In Boom-Towns wie Schanghai kann Mayrhuber auch unbeschwerter über die Konkurrenten am Himmel dozieren, die dem drohenden Bankrott dank staatlicher Stütze immer wieder entgehen. „Mit Airlines ist es ist wie mit Movie-Stars“, sagt er: „Die fallen nicht über Nacht vom Himmel. Erst kriegen sie Falten, dann werden die Aufträge weniger – aber viel später erst verschwinden sie ganz von der Bildfläche.“

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