Lufthansa und Swiss
Eine liebevolle Beziehung

Die Beziehungen zwischen der Lufthansa und ihrer Schweizer Tochter Swiss werden immer liebevoller. Die Schweizer schicken Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain in den Lufthansa-Aufsichtsrat.

ZÜRICH. Gestern hat das Amtsgericht Köln die Bestellung von Aigrain, Chef des weltgrößten Rückversicherers Swiss Re, in den Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa bestätigt. Der Wechsel findet sozusagen außerhalb des normalen Flugplans statt: Aigrain folgt als Aufsichtsratsmitglied auf Gerhard Cromme, der sein Mandat Ende Juni niedergelegt hat, weil er mit Siemens nun wirklich genug zu tun hat.

Im Rahmen ihres bei der Übernahme der Swiss durch die Lufthansa verbrieften Rechts, ein Mitglied für den Lufthansa-Aufsichtsrat vorzuschlagen, hatte die Swiss-Luftfahrtstiftung den 53-jährigen Aigrain empfohlen. Aigrain war seit dem Jahr 2001 Mitglied des Verwaltungsrats von Swiss International und hat so die wechselvolle Geschichte der Schweizer Fluggesellschaft hautnah miterlebt: von ihrer Neugründung aus der Pleite heraus, ihrem erneuten Abstieg und schließlich ihrem Zusammengehen mit der Lufthansa.

Außer dass der ehemalige JP-Morgan-Investmentbanker mit französisch-schweizerischen Wurzeln Mitglied eines Vielfliegerprogramms sein dürfte, hat Aigrain mit der Branche aber nicht viel am Hut. Allerdings weiß er nicht nur von der Swiss, was es heißt, Krisen durchzustehen. Vor ziemlich genau einem Jahr verkündete Aigrain mit unbewegter Miene und sich streng an den vorbereiteten Redetext haltend, dass der Rückversicherer Swiss Re ungefähr jeden sechsten Arbeitsplatz streichen wollte. Von da ab war es vorbei mit der Gemütlichkeit in Zürich: 300 Millionen Dollar musste das Sparprogramm bringen, das nach der Vereinigung mit der Versicherungssparte von General Electric entworfen worden war. Aigrain hat es wie angekündigt durchgezogen.

Dass er nun die Schweizer Sicht im Lufthansa-Aufsichtsrat vertritt, ist auch insofern bemerkenswert, weil es in Lufthansa-Kreisen heißt, man sei mit den Schweizern sowieso sehr zufrieden. Bei solchen Aussagen wird dann auf Swiss-Chef Christoph Franz verwiesen, der einen guten Job gemacht habe und sich damit theoretisch für höhere Weihen empfehle.

Zum Beispiel als Nachfolger von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Solche Spekulationen erhielten jüngst Auftrieb, als der zweite Mann bei Swiss, Manfred Brennwald, zu Wochenbeginn sagte, er werde eine neue Führungsaufgabe im Konzern übernehmen. Was soll aber ein zweiter Mann machen, außer erster zu werden und so Franz bei Swiss abzulösen? Wer Franz darauf anspricht, erhält die nie falsche Antwort, dass es ihm und seiner Familie in der Schweiz gefalle.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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