Luiz Fernando Furlan
Der Patriot

Brasilien tritt aus dem Schatten der Boomländer Indien und China: Doch der grüne Riese kann nur stark sein, wenn seine Unternehmen stark sind. Wie kein zweiter treibt Luiz Fernando Furlan, Unternehmer, Minister und Krisenmanager, die Sache Brasiliens voran. Vor zehn Tagen konnte er einen neuen Coup verkünden.

SAO PAULO. Es ist schwer, sich einen Mann wie Luis Fernando Furlan in Deutschland vorzustellen. Nehmen wir an, der Chef und Miteigentümer des führenden deutschen Lebensmittelkonzerns nimmt das Angebot der Kanzlerin an und wird Wirtschaftsminister. Nach einer überaus erfolgreichen Amtszeit scheidet der Mann freiwillig aus dem Kabinett und startet eines der größten Umweltprojekte Europas. Doch dann muss er von einem Tag auf den anderen als Krisenmanager einspringen, um sein wegen Finanzspekulationen ins Schlingern geratenes Unternehmen zu retten. Er findet eine Lösung, die spektakulärer nicht sein könnte: Er fusioniert die Firma mit einem Rivalen und schmiedet Europas größten Lebensmittelkonzern.

Eine solche Odyssee hat der 63-jährige Furlan in den letzten sechs Jahren in Brasilien hinter sich gebracht. Vor zehn Tagen schließlich verkündete er auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit seinem neuen Partner die Gründung von Brasil Foods, dem drittgrößten Fleischkonzern der Welt.

Dem 1,90 Meter großen, breitschultrigen Mann, der auch in der größten Hektik immer langsam und mit langen Pausen zwischen den Sätzen spricht, merkt man den Stress der letzten Monate nicht an. Fünf Monate hat Furlan um die Entstehung dieses Unternehmens gekämpft. 60 Treffen hat es zwischen den beiden Konzernen gegeben, seit Sadia, so heißt das Unternehmen Furlans, sich im September 2008 mit Derivaten auf den Dollar verspekulierte. Die Manager riefen Furlan zur Hilfe, obwohl er sich 2003 aus dem Konzern zurückgezogen hatte. 100 Familienaktionäre von Sadia bringt Furlan auf Linie und kann durchsetzen, dass die Sadia-Anteilseigner am neuen Konzern ein Drittel bekommen. Die Pressekonferenz muss immer wieder verschoben werden, weil die Parteien sich an Details festbeißen. Dann werden die Papiere unterzeichnet. Furlan ist am Ziel: Brasil Foods erwirtschaftet einen Umsatz von elf Milliarden Dollar. 1,7 Milliarden Hühner und acht Millionen Schweine verarbeiteten die beiden Unternehmen letztes Jahr. Rund die Hälfte seines Umsatzes macht der Konzern im Ausland.

"Brasilien braucht Konzerne wie Brasil Foods", sagt Furlan stolz und wiederholt sein Mantra noch aus den Zeiten als Minister: "Wenn Brasilien eine Weltwirtschaftsmacht werden will, dann braucht es Weltklassekonzerne." Genau das war sein Auftrag, als ihn ein Vertrauter des gerade gewählten, aber noch nicht angetretenen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva Ende 2002 aufsucht. "Lula braucht einen Verkäufer Brasiliens im Ausland", sagte der gemeinsame Bekannte, "Brasilien muss seine Exporte steigern, und seine Unternehmen sollen dort investieren, wo sie es bisher nicht machen. Du bist genau der Richtige." Furlan zögert - obwohl der Job für ihn wie geschaffen ist wegen seiner internationalen Erfahrungen und Kontakte. Er sitzt im Board von Konzernen wie dem Kreditkartenanbieter Mastercard, den Elektronikkonzern Panasonic und der spanischen Telefongesellschaft Telefónica. Vorher hatte er Sadia als CEO zu einem der größten Geflügelexporteure weltweit gemacht, mit starker Präsenz im Nahen Osten, Russland und Fernost.

Doch ihn schreckt die Bürokratie, die Flügelkämpfe der Politik, der Arbeitsplatz Brasília fern der Familie. Furlan ist seit über 35 Jahren verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Das niedrige Gehalt als Minister ist auch nicht gerade verlockend für jemanden, den Headhunter für jeden Spitzenjob in Lateinamerikas Unternehmenselite empfehlen würden. Doch er entschließt sich anzunehmen: "Als Unternehmer habe ich immer untätige Regierungen kritisiert", rechtfertigt er sich gegenüber der Familie, "jetzt habe ich die Chance, etwas zu verändern."

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