Luxus-Uhren
Bloß keine Elektronik

Wer sich heute eine Armbanduhr für den Gegenwert eines Kompaktwagens zulegt, will neben Luxus-Materialien und Nobel-Optik vor allem eins: Bloß keine Elektronik. Mechanische Uhren, vor allem mit automatischem Aufzug, haben in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt.

KÖLN. Aufzugsfedern, um die Antriebsenergie zu speichern oder eine Unruh-Spirale, die den Takt für das Uhrwerk vorgibt. Das könnte den Herstellern mechanischer Federn volle Auftragsbücher bescheren.

Doch die Uhrmacher, früher wichtige Abnehmer kleiner Feder-Spezialisten aus Deutschland, beziehen ihre Bauteile heute praktisch ausschließlich von der Schweizer Firma Nivarox, Branchenkenner schätzen den Marktanteil auf monopolähnliche 90 Prozent. Das Traditionsunternehmen mit über 650 Mitarbeitern gehört zur Swatch-Group. Deutsche Uhrfeder-Produzenten haben sich auf Feinmechanik für Medizintechnik und Werkzeugmaschinen verlegt.

So wie die Federnfabrik Alfred Beck aus Schwenningen im Schwarzwald. 1931 vom Namensgeber gegründet, spezialisierte sich das Unternehmen zunächst auf Uhrenfedern. Zu der Zeit boomte das Geschäft mit den mechanischen Zeitmessern im Schwarzwald. Die Gemeinde, die sich ganz unbescheiden "größte Uhrenstadt der Welt" nannte, lieferte Armbanduhren und die legendäre Kuckucksuhr in alle Welt. Doch die fetten Jahre sind vorbei.

In den Hoch-Zeiten vor dem zweiten Weltkrieg arbeiteten hier mehrere zehntausend Beschäftigte in der Schmuck- und Uhrenindustrie. "Heute sind es noch rund zweieinhalb Tausend", schätzt Alfred Schneider, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Schmuck und Uhren in Pforzheim. Der Niedergang begann mit der Verbreitung billiger Quarz-Uhrwerke, die die Konstruktion der Uhren erheblich vereinfachte, außerdem erstarkte die asiatische Konkurrenz.

Die Becksche Federfabrik beliefert heute stattdessen andere Branchen. "Die Medizintechnik und der Werkzeugmaschinenbau sind unsere wichtigsten Kunden", sagt Inhaber Matthias Wagner. 70 bis 80 Prozent des Umsatzes bringen Druck- und Zugfedern, die ihren Dienst in Endoskopen ebenso verrichten wie etwa in Druckmaschinen. Wagner hat den Betrieb mit fünf Mitarbeitern im vergangenen Jahr vom Sohn des Firmengründers übernommen. Geblieben aus der Uhrenzeit ist die Spezialisierung auf kleine Federn, die Produktion von Aufzugsfedern läuft heute nebenbei.

In großem Stil brauchen nur noch die Hersteller von hochwertigen mechanischen Uhren Federn. Die liefert Fast-Monopolist Nivarox auch an Swatch-Konkurrenten. "Wir kämpfen in der Uhrmacherbranche nicht mit so harten Bandagen", erklärt Fabian Krone, Geschäftsführer von A. Lange und Söhne, dessen Unternehmen zum Luxusgüterkonzern Richemont gehört. Er sieht die Marktmacht von Nivarox gelassen, obwohl der heutige Swatch-Chef und Sohn des Gründers Nick Hayek unlängst polterte, die Schweizer Luxusuhrenindustrie wäre "ohne das Know How dieser Firma am Ende".

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