Lyondell Basell
Rätselhafte Geschäfte

Andreas Heeschen steigt beim Chemiekonzern Lyondell Basell ein und soll 50 Prozent der Anteile erworben haben. Die Reaktionen reichen von skeptisch bis amüsiert. "Nun ist er wohl ganz übergeschnappt", sagt ein Londoner Finanzinsider, der Heeschen kennt. Andere meinen: Heeschen ist ein Strohmann.

DÜSSELDORF. Die einen halten es für eine Zeitungsente, andere für eine Schnapsidee. Andreas Heeschen, ein weitgehend unbekannter deutscher Geschäftsmann, soll 50 Prozent des 55 Mrd. Dollar schweren Chemiekonzerns Lyondell Basell erworben haben. Dies jedenfalls behauptete Heeschen in der "Financial Times Deutschland" am Montag.

Die Reaktionen reichen von skeptisch bis amüsiert. "Nun ist er wohl ganz übergeschnappt", sagt ein Londoner Finanzinsider, der Heeschen kennt. Die Szene habe sich seit langem gewundert, wie Heeschen seinen Lebensstil finanziert. Er residiert in riesigen Häusern in London und Frankreich, bewegt sich mit Vorliebe in Privatjets, Hubschraubern und grandiosen Yachten. Vor wenigen Wochen kursierten Gerüchte, Heeschen stehe vor dem finanziellen Zusammenbruch. Und nun das: Heeschen übernimmt von dem russischen Geschäftsmann Len Blavatnik die Hälfte des schlingernden Weltkonzerns Lyondell Basell. Wer Humor hat, wertete dies gestern als besondere Art der Nachbarschaftshilfe: Blavatnik und Heeschen wohnen in London in derselben Straße. Eine andere Interpretation lautete schlicht: Das ist kein Deal, das ist Augenwischerei. Heeschen spielt die Rolle des Strohmanns.

Eine Sprecherin von Heeschen wies die letztere Darstellung zurück. Es sei ein ernsthaftes Geschäft. Neben Vermögenswerten bringe Heeschen auch seine "guten Kontakte in Europa und im Mittleren Osten" ein. Wie hoch die eingebrachten Vermögenswerte sind, blieb allerdings offen - ebenso die Frage, warum der in 100 Ländern aktive Konzern ausgerechnet die Kontakte von Andreas Heeschen benötigen sollte.

Auch sonst gab es gestern wenig Erhellendes über den plötzlich im Rampenlicht stehenden Heeschen. Er soll mit Alfred Schefenacker verwandt sein, dem Gründer des Autospiegelherstellers. Sein Alter schätzt seine Sprecherin auf "48 oder 49". Seine ersten Berufserfahrungen machte Heeschen demnach in der petrochemischen Industrie. Dann wandte er sich dem Investment-Banking zu, anschließend gründete er eine Investmentgesellschaft. Heeschen ist Mehrheitseigner beim Waffenhersteller Heckler & Koch. Seine Beteiligung am Gartengerätehersteller Wolf endete mit dessen Insolvenz.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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