Machen sich Prominente bezahlt?
„Ich bin ein sehr, sehr guter Anwalt“

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder will nach seinem Abschied aus der Regierungszentrale in Berlin wieder in seinem Beruf als Rechtsanwalt arbeiten.

DÜSSELDORF. In einer Abschiedsrede vor den Mitgliedern des Vereins der Auslandspresse empfahl er sich schon mal für Offerten aus Kanzleien mit unverhohlenem Eigenlob: "Ich bin ein wirklich sehr, sehr guter Anwalt." Und er ist nicht der einzige Politiker, der das Advokatendasein attraktiv findet. Auch Rezzo Schlauch von den Grünen verkündet, dass er wieder Advokat sein will.

Als Qualitätsgaranten, Wissensanbieter und Türöffner sind Politiker im Ruhestand, Manager oder Professoren in Kanzleien beliebt. Die Karlsruher Sozietät Dr. Reiß & Collegen schmückt sich zum Beispiel mit dem Münsteraner Universitätsprofessor Matthias Casper, der Institutsdirektor des Lehrstuhles für Bank- und Kapitalmarktrecht ist. Unter den so genannten Off-Counsels findet sich auch ein ehemaliger Frankfurter Polizeipräsident und späterer Regierungspräsident des Landes Hessen: Knut Müller arbeitet seit seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand mit CMS Hasche Sigle in Frankfurt zusammen. Und Flick Gocke Schaumburg in Düsseldorf profitiert im Körperschaftsteuerrecht und Internationalen Steuerrecht von der Erfahrung Franz Wassermeyers, einem Ex-Bundesfinanzhofrichter.

"Off-Counsels helfen den Kanzleien, sich besser in einem Markt zu positionieren", beobachtet Friedrich Blase, Partner bei Edge International, einer auf Kanzleien spezialisierten Unternehmensberatung. Firmenkunden profitieren davon, wenn eine Kanzlei externe Ratgeber beschäftigt. Blase: "Sie haben Kontakte, die den Kanzleien oft fehlen".

Sie sind über die Kanzlei erreichbar, aber nicht unbedingt immer dort anzutreffen. Dass sich Kanzleien auf diese Weise verstärken, kommt bei Mandaten etwa in der Rechtsabteilungen der Unternehmen gut an. "Der Name eines renommierten Wissenschaftlers unter einem Gutachten ist zum Beispiel für die Glaubwürdigkeit vor Gericht Gold wert", beobachtet Ulrich Tödtmann, Chefjurist beim Energieversorger MVV in Mannheim.

Die Hoffnung, dass sich ein Prominenter aber allein deshalb bezahlt macht, weil er dank alter Netzwerke automatisch Mandate erhält, erfüllt sich selten. Knut Müller etwa half zwar CMS, das Fachgebiet Öffentliches Recht strategisch zu entwickeln. "Aber keiner der damals untergeben Landräte und Oberbürgermeister hat mir je ein Mandat übertragen", berichtet Müller. Wohl aber hilft sein Titel der Kanzlei, Aufträge an Land zu ziehen: "Wenn es in einem Mandat gegen den Bund oder ein Land geht, spielt der Regierungspräsident auf dem Briefkopf schon eine Rolle. Die Leute erwarten, dass sich so jemand auskennt."

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