Macher der Marken
Weißes Gold für den Kurfürsten

So kann das Leben auch spielen: Ausgerechnet Johann Friedrich Böttgers guter Ruf und sein herausragendes Talent trugen entscheidend zu seinem Unglück bei.

DÜSSELDORF. Während seiner Apothekerlehre in Berlin war er in Kontakt mit Alchimistenkreisen geraten, die vor allem nach Wegen suchten, wie Gold herzustellen sei. Irgendwann begann man zu munkeln, dem brillanten Böttger sei es gelungen, Gold herzustellen. Das kam dem gerade zum ersten preußischen König gekrönten Friedrich I. zu Ohren. Der zitierte Böttger an seinen Hof. Doch der wollte lieber Medizin studieren und floh vor dem Zugriff des preußischen Hofes nach Wittenberg, das zum Reich August des Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, gehörte. Als dieser von Böttgers angeblichen Fähigkeiten erfuhr, ließ er ihn kurzerhand mit einer Militäreskorte nach Dresden bringen.

Nunmehr unter Bewachung gestellt, sollte der vermeintliche Wundermann Gold herstellen und so Augusts notorische Finanznot ein für alle Mal beseitigen. Festgehalten in der Festung Königstein, begann Böttger notgedrungen ab 1701 zu experimentieren. Bald wurde ihm der Hofphysikus Ehrenfried Walter von Tschirnhaus zur Seite gestellt, er sollte Böttger beaufsichtigen. Der arbeitete bereits seit 1693 an der Entwicklung keramischer Schmelzverfahren und suchte nach der Formel des so genannten „weißen Goldes“, des Porzellans. Erst spät wandte sich Böttger von der Suche nach der Goldherstellung ab. Anfang 1707 gelang ihm die Herstellung von rotem Porzellan, dem so genannten „Böttger-Steinzeug“. Im Jahr darauf gelang der Durchbruch. Doch es war auch das Jahr, in dem Böttgers Mitstreiter Tschirnhaus starb. Im März des Jahres 1709 meldete Böttger seinem König, dass das europäische Porzellan erfunden sei.

Ob nun Tschirnhaus oder Böttger letztlich das Verdienst zuzuschreiben ist, der Erfinder zu sein, ist noch immer nicht ganz geklärt. Während Böttger über Jahrhunderte als der Erfinder galt, haben Forschungen der letzten Jahre die Vermutung wahrscheinlicher gemacht, dass Tschirnhaus der eigentliche Erfinder war und Böttger anhand von dessen Auswertungen die Herstellung von Porzellan nur umgesetzt hat. Auf jeden Fall ernannte August der Starke Böttger zum Leiter der rasch gegründeten Königlichen Porzellanmanufaktur, die bald in Meißen angesiedelt wurde. August der Starke hatte nun das Porzellanmonopol in Europa. Aber wie lange? Bald geriet ausgerechnet Böttger in Verdacht, das Geheimnis für gutes Geld an den preußischen König verraten zu wollen. Erneut landete er im Kerker. Seine Gesundheit ließ rapide nach – das Experimentieren mit giftigen Substanzen hatte seinen Körper angegriffen.

Man entließ ihn schließlich, und Böttger starb arm fünf Wochen nach seinem 37. Geburtstag. Drei Jahre später schlug der Manufakturinspektor Johann Melchior Steinbrück vor, fortan das Meissener Porzellan mit zwei gekreuzten Schwertern zu kennzeichnen. Dieses Zeichen, das man gerne als späte stilisierte Referenz an die beiden Männer werten möchte, die mit ihren Vorarbeiten die Gründung der Manufaktur erst möglich gemacht hatten, ist eines der ältesten heute noch gebräuchlichen Markenzeichen der Welt.

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