Machtkampf der Medien-Milliardäre
Bis dass der Tod euch scheidet

Der Machtkampf der amerikanischen Medien-Milliardäre Barry Diller und John Malone eskaliert - zum Schaden des Streitobjekts: Der Börsenkurs des milliardenschweren Internet-Konglomerats IAC, um dessen Kontrolle die beiden kämpfen, ist innerhalb eines Jahres um mehr als 40 Prozent gesunken.

NEW YORK. Barry Diller braucht keine professionellen Redenschreiber. Der Chairman des sieben Milliarden Dollar Umsatz schweren Internet Interactive Corp. -Konglomerats (IAC) liebt es direkt, bisweilen sehr direkt: "Ich beginne zu glauben, dass diese Menschen geisteskrank sind", schreibt er in einer Pressemitteilung.

Mit "diesen Menschen" meint er in erster Linie John Malone, seinen langjährigen Partner und Geldgeber. Der Chairman von Liberty Media hält 30 Prozent der IAC-Anteile und fordert die volle Kontrolle über das Konglomerat, zu dem unter anderem der Reiseanbieter Expedia, der TV-Sender Homeshopping Network sowie Internetportale wie Ask.com, Ticketmaster oder Lending Tree gehören.

Malone versucht, vor Gericht durchzusetzen, dass Diller und sechs weitere Boardmitglieder bei IAC abberufen werden. Die Lage aber ist verzwickt, weil Diller seit den 90er-Jahren eine unbefristete Vollmacht hält, den Konzern mit Hilfe eines 47-prozentigen Stimmrechtsanteils von Liberty Media zu kontrollieren. Malone könne diesen Vertrag nicht aufbrechen, kontert Diller: "Alles, was sie anführen, ist Quatsch."

Der filmreife Streit passt zu Hauptakteur Diller, 65. Der ist in Hollywood aufgewachsen und bekommt den ersten Job in der Poststelle einer Talent-Agentur. Das Studium an der University of California bricht er ab, ihn fasziniert allein das Unterhaltungsgeschäft. Mit 24 wird er Assistent beim TV-Sender ABC, dort arbeitet er sich bis zum Chef hoch. Später rettet er Hollywood-Studios vor dem finanziellen Desaster, zunächst Paramount, dann Twentieth Century Fox - über radikale Sparprogramme.

Ein aggressiver Management-Stil wird zum Markenzeichen Dillers: Schwierig zu sein sei eine gute Eigenschaft, vor allem wenn man an einem "kreativen Prozess" arbeite, hat er mal gesagt. Diane von Fürstenberg kommt damit besser klar als manch anderer: Die Modedesignerin heiratet 2001 ihren langjährigen Lebensgefährten Barry Diller - im Beisein von Calvin Klein und 350 anderen Gästen.

Um die "Ehe" mit Malones Liberty Media scheint es weit kritischer zu stehen. IAC hat Ende 2007 die Aufspaltung in fünf börsennotierte Firmen angekündigt, doch seitdem ist alles nur schlimmer geworden. Malones Hoffnung, wenigstens die Kontrolle über einige der ausgegliederten Firmen zu erhalten, hat sich bisher nicht erfüllt. Und während der Machtkampf eskaliert, geht die Talfahrt der IAC-Aktie weiter: Der Börsenkurs ist innerhalb eines Jahres um mehr als 40 Prozent gesunken. Hollywood hat dazu den passenden Filmtitel im Archiv: "Bis dass der Tod euch scheidet" - aus dem Jahr 1979.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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