Machtkampf mit BP-Chef John Browne
Kein Pardon für den Superstar

„Keine Person ist wichtiger als die Sache.“ So scheint das Motto von Peter Sutherland, Chairman des britischen Ölkonzerns BP, zu lauten. Dass das auch für den prominentesten Manager auf der Insel gilt, machte Sutherland in dieser Woche unmissverständlich klar.

LONDON. In einem hinter den Kulissen ausgefochtenen Machtkampf zwang er den Vorstandschef von BP, John Browne, auf der Halbjahrespressekonferenz des Ölriesen seinen Rücktritt anzukündigen.

Browne überschreitet 2008 die Altersgrenze von BP für Top-Manager, denn er wird dann 60 Jahre alt. Browne machte kein Geheimnis daraus, dass er sich durchaus vorstellen könnte, länger an der Spitze zu bleiben. Die Ungewissheit über die Zukunft des hoch geachteten Managers wurde allmählich zur Belastung für BP. Am vergangenen Freitag machte Sutherland Browne klar, dass es auch für ihn keine Ausnahme geben werde. Über das Wochenende versuchte Browne mittels einer sorgfältig inszenierten PR-Kampagne das Blatt noch zu wenden. Aber Sutherland setzte sich durch, der BP-Chef wird Ende 2008 gehen.

Dass Sutherland Erfahrung in Machtkämpfen hat, dürfte Browne nicht überrascht haben. Der ehemalige Rugby-Spieler gilt als hartes Gegenüber in Verhandlungen. Er hat in seiner Karriere in Politik und Wirtschaft schon viele kritischen Verhandlungsrunden für sich entschieden.

Seine Karriere startete der Sohn eines Versicherungsmaklers in Irland, wo er zum jüngsten Generalstaatsanwalt der Insel aufstieg. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde Sutherland als Jaques Delors ihn Mitte der achtziger Jahre zum EU-Wettbewerbskommissar machte.

Der nächste Karriereschritt war entscheidend. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten empfahlen Sutherland 1993 als Generaldirektor des Freihandelsabkommens General Agreements on Tariffs and Trade, kurz Gatt.

Sutherland brachte nicht nur die komplexen Verhandlungen über eine Liberalisierung des Welthandels in der Uruguay-Runde zum Abschluss. Unter seiner Führung gelang auch die Umwandlung des Gatt von einem multilateralen Vertragswerk in eine internationale Organisation. 1994 wurde er der erste Chef der neu gegründeten Welthandelsorganisation WTO.

Ein Jahr später gab er den Posten auf, um als Partner bei der Investmentbank Goldman Sachs einzusteigen. Heute beaufsichtigt er als Chairman die europäischen Geschäfte der Bank. Wahrscheinlich genau so sorgfältig, wie er über das Schicksal des Ölriesen BP wacht. Sutherland ist selbst 60 Jahre alt – allerdings gilt die Altersgrenze bei BP nur für Vorstände und nicht für die Aufseher.

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