Machtkampf um Medienkonzern
Der stille Sieg von Friede Springer

Aus dem High Noon in Hamburg ist nichts geworden. Axel Sven ("Aggi") Springer, Enkel des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer, hat seinen Rechtsstreit um Anteile verloren. Friede Springer bleibt Mehrheitsaktionärin des Medienkonzerns Axel Springer. Das hat das Oberlandesgericht in Hamburg entschieden.

DÜSSELDORF. Die 65-jährige Verlegerin hat gestern ihren Sieg still genossen. Vor Gericht war sie genauso wenig erschienen wie "Aggi". Friede Springer, die vor 30 Jahren den damals mächtigsten Zeitungsverleger Deutschlands geheiratet hatte, ging wie immer ihrer Arbeit im Berliner Springer -Hochhaus nach. Kein Wort des Triumphs war von ihr zu hören. Der "Bild"-Konzern schwieg. Mit der gestrigen Entscheidung ist ein jahrelanger Machtkampf offenbar für immer entschieden. Denn die Hamburger Richter haben eine Revision abgelehnt. "Aggi" Springer hat nur die Möglichkeit, in einer Frist von vier Wochen die Zulassung einer Klage vor dem Bundesgerichtshof (BGH) durchzusetzen. "Das ist aber höchst unwahrscheinlich", hieß es im Kreis von Beteiligten. "Aggi" Springer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der in Hamburg lebende Verlegerenkel wollte einen höheren Anteil am Aktienbesitz der Axel Springer AG durchsetzen. Friede Springer hält über die Familienholding und ein eigenes Aktienpaket 51,5 Prozent der Anteile am Verlagskonzern. An der Familienholding halten Axel Sven Springer und seine Schwester Ariane je fünf Prozent. In der ursprünglichen Fassung des Testaments von Axel Springer sollte Friede 50 Prozent der Holding-Anteile erhalten, seine Tochter Barbara sowie sein Enkel "Aggi" Springer je 25 Prozent. Springer änderte aber kurz vor seinem Tod am 22. September 1985 seine Meinung. Er vermachte Friede 70 Prozent, Barbara und ihrem Halbbruder Nikolaus je zehn Prozent sowie den Enkeln Axel Sven und Ariane je fünf Prozent.

Die neue Aufteilung wurde von ihm nicht mehr formgerecht festgehalten. Die Erben einigten sich aber vor dem Notar darauf, sich daran zu halten. "Aggi" Springer übertrug Anteile an Friede Springer - ein Schritt, den der Ex-Manager der "Bild"-Gruppe vor sechs Jahren angefochten hat. Laut Gericht fühlte er sich "arglistig getäuscht", weil Axel Springer "einen der vereinbarten Erbaufteilung zugrunde gelegten letzten Willen gar nicht gehabt habe".

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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