Machtverhältnisse haben sich verschoben
Vom Niedergang eines Mode-Imperiums

Der italienische Edelschneider Gianni Versace steht vor einem Neuanfang – oder dem Ausverkauf: Chefdesignerin Donatella Versace begibt sich nach New York in ein Krankenhaus, das spezialisiert ist auf Drogenentzug. Dort versucht sie, von ihrerschweren Kokainabhängigkeit loszukommen.

MAILAND. Es ist einer dieser stickigen, feucht-heißen Mailänder Sommertage, an dem Donatella Versace ihre Koffer packt und sich zum Flughafen chauffieren lässt. Reiseziel sind die USA. Sie will sich nicht wie schon so oft vom nächtlichen Prickeln New Yorks inspirieren lassen oder in den unendlichen Weiten des Wilden Westens Ruhe suchen. Donatella ist auf dem Weg zu einem Krankenhaus, das spezialisiert ist auf Drogenentzug. Die wasserstoffblonde und ewig braun gebrannte 49-jährige Chefdesignerin des gleichnamigen Modehauses versucht, von ihrer schweren Kokainabhängigkeit loszukommen.

„Es handelt sich um eine sehr positive Entscheidung sowohl für sie persönlich als auch für das Unternehmen“, kommentiert ein Sprecher der Familie aus Kalabrien, als die Story vor wenigen Wochen auf den Seiten eines amerikanischen Modemagazins auftaucht.

Die Episode sagt viel aus: Sie erzählt von der Dekadenz einer begabten Person und vom Niedergang eines früher glanzvollen Unternehmens. Und sie lässt ahnen, dass in dem Imperium von Donatellas Bruder – dem 1997 unter mysteriösen Umständen in Miami erschossenen Gianni Versace – bald kein Stein mehr auf dem anderen bleiben wird.

Gegründet 1976, steigt das Mailänder Modehaus Gianni Versace in den 80er-Jahren in die Spitzenliga der internationalen Couture auf. Angesichts des ausschweifenden Lebensstils des Gründers wird die Marke mit dem antiken Medusenkopf im Logo zu einem Symbol für Macht und Erotik – eine Faszination, die inzwischen verflogen ist.

Die Geschäfte gehen schlecht, der Umsatz sinkt, der Verlust steigt im vergangenen Jahr auf über 25 Millionen Euro. Dass Veränderungen notwendig sind, zeigt die mühevolle Rückzahlung einer Schuldverschreibung von 100 Millionen Euro in diesem Juni. Sie kann nur dank eines Kredits der Hausbank, Banca Intesa, fristgerecht bedient werden.

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