Made in Germany
Globalisierte Handwerker: Von wegen Verlierer!

Lange wurden die deutschen Handwerker vor allem als Verlierer der Globalisierung gesehen. Doch gibt es auch viele Beispiele für eine gelungene Auslandsexpansion von Handwerksbetrieben. Dabei könnten sie durchaus vom Ruf, der Deutschen vorauseilt, profitieren.

HB MÜNCHEN. Für Werkzeugmacher-Meister Reiner Rohlje hat sich der Blick über den Tellerrand gelohnt: Die Präzisionswerkzeuge, die in seinem Betrieb hergestellt werden, sind weltweit im Einsatz, beispielsweise auch in Fernost. Immer mehr Handwerksbetriebe in Deutschland sehen wie Rohlje die Globalisierung mittlerweile als Chance und wollen ihre Produkte und ihr Know How auch im Ausland vermarkten. "Wir merken in unserer Beratung, dass das Interesse stark gestiegen ist", sagt Barbara Peinel, Leiterin der Stabsstelle Außenwirtschaft bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Rund drei bis fünf Prozent der bundesweit 935 000 Handwerksbetriebe sind nach Peinels Einschätzung bereits grenzübergreifend aktiv, etwa doppelt so hoch könnte der Anteil in fünf Jahren sein, glaubt die Expertin. Den Impuls dafür kann ein erster Auftrag eines ausländischen Kunden bieten, der den deutschen Handwerker übers Internet ausfindig gemacht hat. Aber auch die "Huckepack"-Lösung ist nicht selten: Manche Global Player verlassen sich beim Bau neuer Werke oder der Einrichtung neuer Shops gerne auf ihre angestammten Handwerksbetriebe und nehmen sie so gleich mit in ihre Auslandsmärkte.

Vor allem Anbieter aus dem Bau- und Ausbauhandwerk, aus der Holz- und Metallverarbeitung sowie aus dem Elektro-Bereich trauen sich den Schritt ins Ausland immer häufiger zu. Ihre Klientel finden sie beispielsweise in den Nachbarstaaten Tschechische Republik und Österreich. Aber auch etwas weiter weg schätze man Handwerksleistungen mit dem "Made-in-Germany"-Bonus, sagt Peinel: So hole sich beispielsweise die reiche Kundschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder aus Russland gerne Handwerker aus Deutschland für Bau- oder Ausbauarbeiten ins Land, weil sie sich von ihnen hohe Qualitätsstandards und Zuverlässigkeit erhoffe.

Diese Erfahrung hat auch Rohlje gemacht. "Auch wenn es altmodisch klingt: Die Tugenden Pünktlichkeit, Fleiß und Ehrlichkeit sind Erfolgsgeheimnisse für deutsche Unternehmen im Ausland", sagt der Handwerker. Wie er ermuntert auch Heinrich Nowak, Exportleiter bei der Hermann aus Weißenburg, Handwerker und Mittelständler zu mehr Mut und Unternehmergeist. "Es gibt genügend Firmen im Ausland, die auf deutsche Produkte warten", erklärt Nowak im Außenwirtschaftsportal der bayerischen Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern. Interessenten sollten sich allerdings auch vorab gründlich über ihre potenziellen Märkte und Kunden informieren.

Ganz ohne Risiko ist nämlich der Schritt über die Grenze nicht, weiß auch Peinel. So mache die Angst vor Raubkopien manchen Handwerker oder Mittelständler vor Aktivitäten in China skeptisch. "Es gibt natürlich Chancen und Risiken." Gerade Spezial-Anbieter aus Handwerk und Mittelstand verfügten aber häufig über ein so ausgesuchtes Know How, dass sie keine allzu große Furcht vor Nachahmern haben müssten, sagt die Expertin. "Ein T-Shirt ist eben leichter zu kopieren, als ein Präzisionswerkzeug."

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