Management
Madeleine Schickedanz: eine scheue Milliardärin

Zielstrebig steuerte Madeleine Schickedanz in den vergangenen Wochen auf die Mehrheit am Karstadt-Quelle-Konzern zu. Welche Absichten sie damit verfolgt, darüber kann gegenwärtig nur spekuliert werden.

dpa FüRTH. Zielstrebig steuerte Madeleine Schickedanz in den vergangenen Wochen auf die Mehrheit am Karstadt-Quelle-Konzern zu. Welche Absichten sie damit verfolgt, darüber kann gegenwärtig nur spekuliert werden.

Die 61-jährige Quelle-Erbin, deren Vermögen auf 1,6 Mrd. Euro geschätzt wird, gilt als ausgesprochen scheu. Mit ihrem dritten Ehemann Leo Herl lebt sie zurückgezogen in Fürth und in St. Moritz. Wenn sie überhaupt einmal in der Öffentlichkeit auftritt, dann geht es normalerweise um das Engagement für die von ihr gegründete Stiftung für krebskranke Kinder. „Es waren sehr persönliche Beweggründe, die mich 1990 veranlassten, die Stiftung ins Leben zu rufen: Meine jüngste Tochter Caroline war von ihrer Leukämie- Erkrankung geheilt worden“, schreibt Madeleine Schickedanz auf der Homepage der Stiftung.

Bei Karstadt-Quelle, dem 1999 aus der Kaufhauskette Karstadt und dem Versandhandelshaus Quelle entstandenen Handelskonzern, hält sich die Großaktionärin im Hintergrund. Branchenkennern zufolge erfolgt dennoch keine Weichenstellung ohne ihre Zustimmung. So habe sie lange an dem glücklosen Konzernchef Wolfgang Urban festgehalten und später die Berufung seines Nachfolgers Christoph Achenbach durchgedrückt, der seine berufliche Karriere stets im Dunstkreis des Schickedanz-Clans verbracht hatte. Auch bei der Wahl von Thomas Middelhoff zum Aufsichtsratschef und jüngst zum Vorstandsvorsitzenden gilt Madeleine Schickedanz als die Drahtzieherin.

Die Quelle-Erbin gilt als in Geschäftsdingen nicht übermäßig versiert und wurde früher häufig auch als „flatterhaft“ in ihren Entscheidungen beschrieben. Als „Unternehmerin wider Willen“ hat das „Handelsblatt“ sie bezeichnet. Im vergangenen Jahr allerdings bekannte sie sich eindeutig zu Karstadt-Quelle, als es darum ging, den Konzern mit einer Kapitalerhöhung vor der Pleite zu retten.

Madeleine Schickedanz wurde 1943 in einem Luftschutzbunker der Nürnberger Frauenklinik als einziges Kind von Quelle-Firmengründer Gustav Schickedanz und dessen zweiter Frau Grete geboren. Aufgewachsen in Hersbruck und in Fürth, studierte sie einige Semester Betriebswirtschaft und heiratete 1965 ihren ersten Ehemann Hans-Georg Mangold, einen Nachbarssohn aus einer Fürther Spielwarendynastie. Mangold stieg rasch in die Konzernführung von Quelle auf, musste diese nach der Scheidung aber wieder verlassen. Dasselbe Schicksal widerfuhr dem zweiten Ehemann Wolfgang Bühler, zwischenzeitlich Chef der Schickedanz-Holding.

Derzeit sitzt ihr dritter Ehemann Leo Herl im Aufsichtsrat der Karstadt-Quelle AG. Aus den vorangegangenen Ehen hat sie zwei Söhne und zwei Töchter. In den vergangenen Wochen hatte der Schickedanz-Clan in großem Umfang Karstadt-Quelle-Anteile zugekauft. Spekuliert wird, dass das Unternehmen aufgespalten und von der Börse genommen werden könnte. Middelhoff hatte dies allerdings bestritten.

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