Madoff-Skandal
Das Leben eines Betrügers kommt unter dem Hammer

Wollen Sie auch ein Stück aus Bernie Madoffs altem Leben? Vielleicht eine seiner 17 Rolex-Uhren für etwa 75 000 Dollar das Stück? Das und vieles mehr aus dem Leben des Milliarden-Betrügers kommt unter den Hammer. Bei einigen Dingen sind Sie schon mit ein paar Hundert Dollar dabei.
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NEW YORK. Zum Beispiel Madoffs blaue Fan-Jacke der New York Mets, auf der hinten in großen orangenen Buchstaben sein Name aufgestickt ist. Die könnte für etwa 700 Dollar zu haben sein. Oder doch eher etwas kleineres, wie sein edles Briefpapier oder seinen großen schwarz-weißen Regenschirm? Dann müssen Sie am Samstag zuschlagen. Im New Yorker Sheraton Hotel & Towers, nicht weit von Madoffs ehemaligen Firmensitz, werden die persönlichen Gegenstände des Milliardenbetrügers und seiner Frau Ruth versteigert. Sie kommen aus ihrer Luxuswohnung in Manhattan und aus ihrem Strandhaus in Montauk, im Bundesstaat New York, und geben einen Einblick in das Leben des Finanziers, der über Jahrzehnte hinweg ein 65 Mrd. Dollar schweres Schneeballsystem führte - das größte in der Geschichte der Wall Street.

So kommen auch drei Bodyboards unter den Hammer - eine Art Surfbrett, auf denen Ruth und Bernhard auf dem Bauch liegend auf den Wellen ritten. Mit der Hand wurde in großen Lettern "Madoff" darauf geschrieben - vielleicht sogar von dem ehemaligen Besitzer höchst persönlich? Auch seine Golfausrüstung ist dabei ebenso wie seine Angeln und drei Poloshirts, auf denen der Name einer seiner Yachten aufgestickt ist: "Bull".

Mindestens 500 000 Dollar könnten bei der Versteigerung zusammenkommen, mit der das Auktionshaus Gaston & Sheehan beauftragt ist, das schon für viele Behörden ähnliche Versteigerungen organisiert hat. Das Geld soll den vielen geschädigten Anlegern zugute kommen, die häufig ihre gesamten Ersparnisse bei Madoff geparkt und verloren haben.

Der 71-Jährige selbst sorgte erst vor wenigen Tagen wieder für Aufregung: In einem Anfang November erstmals veröffentlichten Interview, das er im Sommer mit den Ermittlern der US-Börsenaufsicht SEC geführt hatte, kritisiert er die Behörde scharf für ihre Versäumnisse. Die Aufseher hätten nicht mal Basisinformationen überprüft, wie zum Beispiel seine Geschäfte mit den Firmen, die angeblich die Wertpapierkäufe für ihn abgewickelt haben. "Wenn Du ein Schneeballsystem aufdecken willst, dann ist das das Erste, was Du hättest tun müssten", lästerte Madoff, der den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen wird. Für ihn selbst sei das Betreiben eines massiven Schneeballsystems trotz Penthouse, Silberbesteck und Ausflügen zum Angeln auch nicht leicht gewesen. Er habe gar unter der Situation gelitten. "Es war ein Albtraum, mit dem ich lebte", klagte der Finanzjongleur. "Ich wünschte, sie hätten mich schon vor sechs oder acht Jahren gefasst."

Für die Auktion müssen Sie übrigens nicht extra nach New York reisen. Auch im Internet können Madoff-Fans für die ehemalige Habe des Betrügers mitbieten. Und für die ganz hart gesonnenen gibt es am Dienstag gleich das nächste Highlight: Dann werden im Fort Lauderdale im sonnigen Florida seine drei Yachten versteigert werden.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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