Mächtige Betriebsratschefs
Porsche, VW oder Opel: Stunde der Betriebsräte

Es sind Krisenzeiten, und in diesen schlägt die Stunde der Betriebsräte. Klaus Franz, Uwe Hück, Bernd Osterloh - die Betriebsratschefs von Opel, Porsche und VW spielen im Poker um die Zukunft ihrer Firmen eine zentrale Rolle. Immer häufiger wirken sie in der Öffentlichkeit wie die eigentlichen Vorstände.

STUTTGART/FRANKFURT. Wenn Uwe Hück seine Mannen auf dem Werksgelände von Porsche zusammenruft, dann kommen sie alle - so wie gestern vor der Aufsichtsratssitzung der Porsche AG in Weissach. Journalisten müssen am Empfang warten und dürfen nicht auf das Gelände des Forschungs- und Entwicklungszentrums, wo der Sportwagenbauer 25 Kilometer westlich von Stuttgart seine neuen Modelle entwirft und testet. Doch man muss Uwe Hück nicht sehen; es reicht, wenn man ihn hört. Und da spielen vierhundert Meter Abstand und schlechte Sicht keine Rolle.

"Ihr seid das Kapital", brüllt Hück seinen Leuten entgegen. Das Vokabular könnte auch von 1918 stammen. Redet er sich erst einmal in Rage, dann schwellen die Halsschlagadern des schwäbischen Volkstribuns schon einmal fast auf Gartenschlauchdurchmesser an. Aber er schaltet blitzschnell verbal in die Gegenwart. "Seid selbstbewusst. Ihr habt das in 70 Jahren aufgebaut. Porsche bleibt selbstständig. Wir brauchen die Familie, und die Familie braucht uns." Hück kritisiert die Aussagen von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Piëch über die fehlende Finanzkraft von Porsche. "Wir werden wieder Gewinne machen." Dass Piëch erst gar nicht gekommen ist, ignoriert Hück. Er brüllt, als ob ihn "der Alte" in Salzburg hören müsste.

Es sind Krisenzeiten, und in diesen schlägt die Stunde der Betriebsräte. Von den Politikern, die im Wahlkampf stecken und öffentlichkeitswirksam um jeden Arbeitsplatz kämpfen, werden sie hofiert. Aber auch die Manager wissen, dass sie ohne die Belegschaft ihre Pläne nicht durchsetzen können - und deren Spitzenvertreter dringend brauchen: Denn in schwierigen Phasen wie bei Machtkämpfen und Rettungsaktionen halten sich Vorstände mit öffentlichen Auftritten eher zurück und bleiben lieber in der Deckung. So springen die Betriebsratschefs in die Bresche - und sagen häufig laut das, was die Manager im Stillem denken, aber aus rechtlichen und taktischen Gründen lieber für sich behalten.

Wie bei VW und Porsche. Im Familienstreit sind den Vorstandschefs die Hände gebunden. Kritik am Eigentümer verbietet sich in eigener Sache. Denn letztendlich entscheiden die Familienmitglieder darüber welcher Chef gefeuert oder weiterbeschäftigt wird. Betriebsräte kann niemand feuern, sie werden von der Belegschaft gewählt. Deshalb sind sie in Krisensituationen freier in ihren Äußerungen. Dass VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Wochenende die Gespräche mit Porsche auf Eis legte, wurde von VW-Chef Martin Winterkorn offen goutiert. Hücks mentale Nähe zu Wendelin Wiedeking ist hinlänglich bekannt.

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