Mafia in Süditalien
Der Anti-Pate

Die Mafia saugt Süditaliens Unternehmen aus. Doch Ivan Lo Bello, Chef des sizilianischen Unternehmerverbandes Confindustria, kämpft dagegen an. Jetzt hat er die Mitglieder seines Verbandes verpflichtet, Schutzgeld-Erpresser sofort anzuzeigen. Ein gefährliches Spiel.

MAILAND. Ein Revolutionär sieht anders aus. Mit ruhiger Stimme und moderaten Gesten erklärt der in dunkles Tuch gekleidete, schlanke Jurist mit Halbglatze, wie er eine der gefürchtetsten kriminellen Organisationen der Welt bekämpft: die Mafia. "Die Mafia ist auf dem Rückzug", sagt Ivan Lo Bello bei einer Stippvisite in Mailand. Und er hat einen Anteil daran.

Lo Bello ist in dritter Generation Unternehmer und seit 2006 Präsident des mächtigen italienischen Industrieverbands Confindustria in Sizilien. Lo Bellos Familie betreibt Unternehmen, die vieles herstellen, von Babynahrung bis zu Industrieanlagen. Die Großbank Unicredit ernannte ihn jüngst zum Präsidenten des Verwaltungsrats der Tochter Banco di Sicilia. Und als Präsident des Industriellenverbands geht er in Sizilien einen revolutionären Weg, den er als Modell für andere Regionen sieht.

In seinem Verband müssen nach dem neuen Ethik-Kodex vom September Unternehmer, von denen die Mafia Schutzgeld verlangt, die Erpresser unverzüglich anzeigen. Wer nicht zur Polizei geht, wird aus der Confindustria ausgeschlossen. "Unsere Mitglieder haben mittlerweile mehr Angst vor dieser sozialen Sanktion als davor, wegen Behinderung der Justiz belangt zu werden", erzählt er mit einem nur angedeuteten Siegerlächeln.

Seine Erfolge können sich durch-aus messen lassen: In Palermo, wo sich in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Unternehmer getraut haben, die Geldeintreiber anzuzeigen, haben seit September 35 Unternehmer ihre Peiniger bei der Polizei gemeldet. In dem 50 000-Einwohner-Städtchen Gela waren es sogar 90 Unternehmer.

Diesen Erfolg will Lo Bello, der auch auf nationaler Ebene in der Confindustria arbeitet, nun auch nach Kalabrien bringen, wo die mächtige Ndrangheta ihr Unwesen treibt, und nach Kampanien, dem Gebiet der Camorra. "In Kampanien haben unsere Kollegen gleich gesagt, dass sie gerne mitmachen würden", sagt Lo Bello. In Kalabrien sei es dagegen deutlich schwieriger, Unterstützung für das Vorhaben zu finden.

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