Magna-Chef Siegfried Wolf
Zum Erfolg verdammt

Siegfried Wolf ist Chef von Magna international, einem der größten Autozulieferer der Welt. Er muss sein Russland-Geschäfts ausbauen und dabei sitzt ihm sein Großaktionär im Nacken. Durch seine Aggressivität macht Wolf seinem Namen alle Ehre. Dabei hatte in der Vergangenheit mit einigen Rückschlägen zu kämpfen, denn das Autozulieferergeschäft ist hart.

DÜSSELDORF. Siegfried Wolf ist sauer. Der BMW X5, der ihn zu seinem Firmenjet bringt, hängt im Stau fest. Stillstand auf der Autobahn Bochum-Dortmund. Wolf thront hinter dem Beifahrersitz und schimpft auf die deutschen Ordnungshüter, die mit ihren Radarfallen den Verkehrsfluss hemmen. Wehe, wenn Wolf sich aufregt: Dann schlägt sein eher ruhiger österreichischer Singsang in schneidende Tonfolgen um.

Wolfs Aggressivität macht seinem Namen alle Ehre und passt in eine Branche, in der Zartbesaitete keine Chance haben. Der 50-Jährige ist Chef von Magna International, einem der größten Autozulieferer der Welt und dem größten Lohnfertiger von Autos überhaupt. Er stellt den BMW X3 bis 2010 her und im Anschluss die Geländeversion des Mini, baut für Saab das Cabrio des 9-3er und bis 2009 für die Chrysler-Tochter Jeep den Grand Cherokee. Wolf ist Herr über 26 Milliarden Dollar Umsatz und 84 000 Mitarbeiter.

Und jetzt hat er es eilig. Im Charterbereich des Dortmunder Flughafens wartet die Cessna, die ihn flugs zum Anschlusstermin nach Frankfurt bringen soll. Der Magna-Chef braucht dringend neue Aufträge, um die Kapazitäten des Autoriesen auszulasten. Schon die Übernahme des US-Autoherstellers Chrysler ging daneben. Jetzt droht noch der Bau einer Fabrik mit dem Lada-Produzenten AvtoVAZ zu scheitern. Der französische Renault-Konzern kündigt Neuigkeiten noch vor dem Genfer Automobilsalon nächste Woche an. Das dürfte dem russischen Milliardär Oleg Deripaska wiederum nicht gefallen, der sich an Magna beteiligt hat – und Wolf im Nacken sitzt.

Das Geschäft der Zulieferer ist hart. Jahr für Jahr trotzen die Autobauer ihren „Partnern“ Preise ab, die um drei bis fünf Prozent niedriger liegen als zuvor. „Wir können uns keine Minute auf dem ausruhen, was wir erreicht haben“, sagt Wolf. Magna arbeite deshalb ständig daran, Autos billiger zu machen.

Stetes Streben gilt auch für ihn selbst. Wolf kam 1994 vom österreichischen Munitions- und Präzisionstechnik-Produzenten Hirtenberger als Entwicklungschef in den Vorstand von Magna Europa. Der gelernte Werkzeugmacher, der nebenbei noch seinen Ingenieur machte, stieg schnell auf und führt seit April 2005 mit Donald Walker den Konzern Magna International als Doppelspitze. Das in Kanada beheimatete Unternehmen nahm zuletzt Rang 22 der Forbes-Liste der Branchengrößen der Automobil- und Zulieferindustrie ein, gleich hinter Bridgestone und noch vor MAN. Weltweit gehören 241 Produktionsstandorte, 35 davon in Deutschland, zu Wolfs Revier.

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