Magna-Co-Chef
Siegfried Wolf wechselt ins Deripaska-Imperium

Das ist ein schwerer Schlag für Magna: Der kanadische Automobilzulieferer verliert seinen Co-Chef Siegfried Wolf an das Geschäftsimperium des russischen Milliardärs Oleg Deripaska.
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MOSKAU/WIEN. Seit Monaten war darüber spekuliert worden, jetzt steht es fest: Siegfried Wolf verlässt den kanadischen Autozulieferer Magna und wechselt ins Imperium von Oleg Deripaska. Der russische Oligarch hat den bisherigen Co-Chef von Magna persönlich angeworben, sagte Magna-Gründer Frank Stronach gestern. Bei Deripaskas Holding Basic Element soll sich der 52-jährige Wolf ab dem 15. November um die Sanierung der Autosparte kümmern.

Wolfs Wechsel hängt mit dem Ausscheiden von Stronach zusammen. Bisher setzte der gebürtige Österreicher auf eine Doppelspitze: Wolf kümmerte sich um Europa, Don Walker um Nordamerika. Jetzt, da Stronach auf seine Führungsrolle bei Magna verzichtet und sich mit der Rolle des einfachen Aktionärs begnügt, wird der Zulieferer durch und durch kanadisch – mit Walker als einzigem Chef.

Indes könnte Wolfs Wechsel nach Russland zum Glücksfall für Magna werden – sofern der Österreicher es schafft, die Zusammenarbeit zwischen Magna und Deripaskas Autosparte zu beleben. Die traditionell enge Kooperation war zuletzt enttäuschend verlaufen: Voriges Jahr scheiterte unter Wolfs Federführung der Magna-Plan zur Übernahme von Opel. Womit sich auch Deripaskas Planspiele erledigten, in der Fabrik seines Herstellers GAZ deutsche Autos zu bauen. Trotz dieser Rückschläge will Deripaska seine marode Autosparte endlich wettbewerbsfähig machen. Und Wolf soll sich darum kümmern.

Wolfs neue Baustelle liegt in Nischni Nowgorod, rund vier Fahrstunden östlich von Moskau. Dort sitzt Deripaskas Autotochter GAZ, deren Aufsichtsrat Siegfried Wolf schon seit April dieses Jahres leitet. Das russische Unternehmen ist mit Kleintransportern und Bussen gut im Geschäft, doch Pkw-Modelle wie der Mittelklassewagen „Siber“ floppten. Darum setzt der Autohersteller verstärkt auf Lohnfertigung. Derzeit überlegen VW und Daimler, einige Modelle bei GAZ bauen zu lassen. Wolfs Aufgabe dürfte es sein, diese Verhandlungen erfolgreich abzuschließen – und Magna als Technologie-Partner ins Boot zu holen.Zum Bau von Autos nach westlichen Qualitätsmaßstäben sind russische Unternehmen bislang nicht in der Lage. Dies zu ändern, hat Deripaska seinem neuen Top-Manager zur Aufgabe gemacht. Damit dürfte er in Russland eine Weile zu tun haben.

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