Mahle-Chef Heinz K. Junker: Der „Professor“ greift hart durch

Mahle-Chef Heinz K. Junker
Der „Professor“ greift hart durch

Bei der Übernahme des Kühlerspezialisten Behr tritt Heinz K. Junker, Chef des Autozulieferer Mahle kräftig aufs Gas. Noch bevor der für den 1. Oktober geplante erste Schritt des Kaufs vollzogen ist, wechselt der Mann, den sie bei Mahle nur ehrfürchtig den "Professor" nennen, Behr-Chef Markus Flik gegen einen Mann aus den eigenen Reihen aus.
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STUTTGART. "Professor Dr. Heinz K. Junker" steht in Druckschrift auf dem Namenskärtchen am Kopfende des Konferenzraums in der Cannstatter Unternehmenszentrale. In der Schule hätte man das früher Frontalunterricht genannt - einer gegen alle. Aber so laufen die Pressekonferenzen beim Motorteilespezialisten Mahle immer ab.

Der Mann, den sie bei Mahle nur ehrfürchtig den "Professor" nennen, macht diese Dinge im Alleingang. Klar, trocken und ansatzlos legt er die Dinge auf den Tisch. Behr-Chef Markus Flik verlasse das Unternehmen auf eigenen Wunsch, sagt er mit ruhiger Stimme. Eine entsprechende Mitteilung habe Behr bereits herausgegeben. Rums, das hat gesessen. Noch ehe der für den 1. Oktober geplante erste Schritt der Übernahme des Nachbarn vollzogen ist, geht dessen Chef. "Dem Wunsch des Behr-Aufsichtsrats, den Posten mit einem Mahle-Mann zu besetzen, habe ich mich nicht widersetzt", sagt Junker, ohne Regung zu zeigen. Die Mitteilung von Behr ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht draußen. Aber das ist auch nicht entscheidend.

Junker drückt schon jetzt aufs Tempo, denn es steht sehr viel auf dem Spiel - für beide Unternehmen. Mutig wurde sein Schritt in der Branche aufgefasst, den chronisch renditeschwachen Nachbarn Behr zu kaufen, als die Autokrise Anfang des Jahres noch keinesfalls ausgestanden war. Ein Drittel der Anteile soll nach Brancheninformationen bis zu 200 Mio. Euro kosten, die Komplettübernahme auf dieser Basis hochgerechnet um eine halbe Mrd. Euro. Mit acht Mrd. Euro Umsatz entsteht nach Bosch, ZF und Conti das vierte Schwergewicht in der deutschen Zulieferindustrie. Und das zu einem Schnäppchenpreis, aber eben nur, wenn Behr schnell deutlich profitabler wird. Deshalb will Junker bei Behr nichts dem Zufall überlassen und schickt mit Peter Grunow einen erfahrenen Mahle-Haudegen. Der 61-Jährige ist in der Geschäftsführung von Mahle für das Industrie- und Filtersysteme-Geschäft zuständig.

Junker will bei Behr bis zum Zeitpunkt der Mehrheitsübernahme im Jahr 2013 beim Kühlerspezialisten eine Vorsteuerrendite von fünf Prozent sehen. "Wenn der japanische Zulieferer Denso das schafft, muss Behr das auch können", betont Junker. Aber der Ingenieur aus dem Rheinland weiß um die Risiken, zwei bislang unabhängige Systeme zu verschmelzen. Grunow muss Behr auf Mahle trimmen. Und das heißt vor allem schlanker machen und mit Sicherheit auch Personal abbauen. Dabei muss Grunow aber den richtigen Ton treffen, damit die besten Leute es nicht Flik nachmachen und vorher das Weite suchen. "Ich habe bewusst jemanden mit viel Erfahrung genommen", betont Junker.

Die schrittweise Übernahme hat der 61-jährige Mahle-Chef so konzipiert, dass Mahle dafür keine Schulden machen muss. Junkers Vertrag wurde gerade bis 2015 verlängert. Gelingt die Integration von Behr, krönt er damit seine Laufbahn.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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