Mainzer Sparkassenpräsident Streuber unter Druck
Der Schlossherr muss umbauen

In den nächsten Monaten muss Hans Otto Streuber ein Zukunftsmodell für seine 31 Sparkassen und vor allem für die LRP finden. Der Mainzer Sparkassenpräsident weiß, dass die „revolutionären Umwälzungen“ bei den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten vollkommen neue Antworten erfordern.

FRANKFURT. Um diesen Arbeitsplatz beneidet ihn jeder Vorstand in den Frankfurter Banktürmen. Nicht Straßenschluchten, Abgase und stickige S-Bahn-Stationen umgeben Hans Otto Streuber, den Sparkassenpräsidenten von Rheinland-Pfalz, sondern Bäume, Moos und Sträucher. Keine 30 Autominuten von der Mainmetropole entfernt, residiert Streuber mitten im Forst vor der märchenhaften Kulisse der „Sparkassenakademie Schloss Waldthausen“. 1985 haben die Sparkassen das Anwesen gekauft und in diesem Jahr um einen Neubau für 10,5 Millionen Euro erweitert.

Der 54-jährige Streuber als Schlossherr lässt seine Gäste nicht im Vorzimmer warten, sondern kommt ihnen auf dem weitläufigen Gelände auf halber Strecke entgegen. Das Zuwarten ist seine Sache nicht, das galt auch schon während seiner Amtszeit von 1993 bis 1999 als Oberbürgermeister von Zweibrücken. Damals machte er sich als erster kommunaler Würdenträger in Deutschland für ein „Factory-Outlet“ stark – einen Fabrikverkaufsmarkt im XXL-Format mit 160 Designerläden – und zog prompt den Zorn der örtlichen Handelskammer und Einzelhändler auf sich. „In den Jahren 1996 und 1997 bin ich bundesweit als wahrer Propagandist für Factory-Outlets aufgetreten und wurde von den Verbänden anfangs regelrecht angefeindet“, erinnert sich der gelernte Jurist, der seine Karriere als Richter begann.

Innovationen sind auch jetzt wieder sein Thema, denn in den nächsten Monaten muss Streuber ein Zukunftsmodell für seine noch 31 Sparkassen im Verband und vor allem für die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) in Mainz finden. Streuber serviert seinen Besuchern eine Seltenheit, einen Frühburgunder vom Weingut Wasem in Bingen, was ein wenig über die verzwickte Lage der Landesbank hinwegtröstet. Die Eigentumsverhältnisse sind das Problem, denn zur Hälfte gehört die LRP den Sparkassen, den Rest teilen sich die WestLB und die Landesbank Baden-Württemberg. Und die Zeit läuft ab, denn ab Mitte 2005 fallen auf Drängen der Brüsseler Wettbewerbshüter die staatlichen Garantien für die Landesbanken weg. Dann drohen die Ratingagenturen damit, den Daumen zu senken.

Wer nicht ein überzeugendes Zukunftsmodell präsentieren kann, wird am Kapitalmarkt in den Keller geschickt, Hunderte von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel. Streuber ist gefordert.

Seitdem die erwogene Fusion von LRP und Dekabank, dem zentralen Finanzdienstleister der Sparkassengruppe, nur noch auf kleiner Flamme warm gehalten wird, rückt eine zweite Option für das Überleben in den Vordergrund. Die „rheinland-pfälzische Lösung“ sieht ein engeres Zusammenrücken von Landesbank und Sparkassen vor, die Investmentbank Rothschild soll dazu in wenigen Wochen eine Machbarkeitsstudie vorlegen.

Da die Neuordnung nur mit „besonderer Begleitung durch das Land“ geht, wie er sagt, macht es sich gut, dass Streuber seit rund 16 Jahren den sozialdemokratischen Gedankenaustausch mit Landesvater Kurt Beck pflegt. Der Sparkassenfunktionär, der sein Amt 1999 ohne große Vorschusslorbeeren antrat, „kann die Ärmel hochkrempeln, wenn es darauf ankommt“, meint ein Wegbegleiter. „Streuber kann Innovationen an der Basis durchfechten, die oft notwendige theoretische Diskussion liegt ihm weniger“, sagt ein Sparkassenexperte.

Streuber weiß, dass die „revolutionären Umwälzungen“ bei den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten vollkommen neue Antworten erfordern. Eine Innovation muss her, wie damals die Idee mit dem Einkaufszentrum. Nur in einer Sache wird der „Regionalfürst“ hoffnungslos altmodisch bleiben: Aus „Liebe zum Papier“ fehlt ein PC an seinem Arbeitsplatz.

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