Malcolm Glazer will offenbar den Fußballclub Manchester United übernehmen
Sportsmann mit Geschäftssinn

Malcolm Glazer will offenbar den Fußballclub Manchester United übernehmen. Der 75-jährige Sportfanatiker aus den USA steuert sein Firmen- und Sportimperium zusammen mit seinen drei Söhnen.

NEW YORK. Als Malcolm Glazer 1995 für 192 Millionen Dollar das American Football Team der Tampa Bay Buccaneers kaufte, hatte er kein gutes Gefühl. „Wir haben vielleicht 50 Millionen Dollar zu viel bezahlt“, sagte er später. Das Team spielte damals in einem heruntergekommenen Stadion und gehörte zu den Dauerverlierern der Liga. Acht Jahre später gewannen die „Bucs“ den Super Bowl, spielen in einer modernen Sportarena und haben einen Marktwert von mehr als 700 Millionen Dollar.

Ein ähnliches Kunststück muss der 75-jährige Sportfanatiker Glazer bei Manchester United nicht vollbringen. „ManU“ ist bereits der wertvollste Fußballclub in Europa und genießt weltweites Ansehen. Genau das scheint den umtriebigen Investor aus Palm Beach in Florida jedoch zu reizen. Bereitet er doch offenbar ein Übernahmeangebot für ManU vor. Glazer hält bereits etwa 19 Prozent an dem börsennotierten Fußballclub.

Der Sohn eines litauischen Einwanderers hat früh seinen Geschäftssinn entwickelt. Mit 15 übernahm er das Uhrengeschäft seines früh verstorbenen Vaters, mit 21 hatte er seinen ersten Franchise-Laden. Für das College war keine Zeit. Stattdessen investierte er sein Geld in Immobilien und verdiente damit bis heute nach unbestätigten Schätzungen rund eine Milliarde Dollar. Glazer steuert sein Firmen- und Sportimperium zusammen mit seinen drei Söhnen.

Aufsehen in der amerikanischen Öffentlichkeit erregte der rothaarige Mann mit der Professorenbrille erstmals 1984, als er die bankrotte Bahngesellschaft Conrail übernehmen wollte. Sein Angebot: 7,6 Milliarden, davon aber nur 100 Millionen Dollar in bar. Den Rest wollte er mit künftigen Gewinnen von Conrail bezahlen. Doch daraus wurde nichts. Gescheitert ist er auch mit seinem Versuch, den Motorradhersteller Harley Davidson zu übernehmen.

Einen weiteren Fehlschlag erlitt er im vergangenen Jahr, als er die Baseballmannschaft der Los Angeles Dodgers kaufen wollte. Die Regeln der National Football League verbieten derartige Überkreuzgeschäfte im Sportbereich. Die Abfuhr in den USA könnte Glazers Appetit für Manchester United gefördert haben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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