Malik on Management
Coachen ist nicht führen

So lange alles gut geht, braucht man keine Führungskräfte. Dann reichen auch Moderatoren und Coaches.

Manager sollen enabeln, empowern, supporten; sie sollen Koordinatoren, Kommunikatoren, Kultivatoren und Katalysatoren sein, natürlich Motivatoren, Moderatoren, Mentoren und Mediatoren. Nur eines wird kaum noch gesagt: dass Führungskräfte führen sollen ...

Es gibt dafür im wesentlichen zwei Gründe. Zum ersten ist es unmodern, gilt als antiquiert, passt nicht in den Zeitgeist, und man fürchtet Kritik von Leuten, die man für Intellektuelle hält oder die sich selbst so präsentieren, nicht zuletzt seitens der unternehmensinternen Moderatoren, Mediatoren und Katalysatoren. Der zweite Grund ist, dass immer weniger Leute zu verstehen scheinen, was Unternehmen sind, welchen Zweck sie zu erfüllen haben, was die Aufgaben von Mitarbeitern und besonders von Managern sind.

Coaching ist gefragt

Besonders hoch im Rang steht das Coaching. In der Zeit der postmodernen Beliebigkeit ist es in der Regel allerdings schwierig zu erkennen, was darunter zu verstehen ist, und jeder kann daraus im Prinzip machen, was er will. Die Grundidee wird aber meistens recht schnell klar: ein Coach ist jemand, der weiß, was für andere Leute gut ist, die in eigener Sache einen Mangel an Urteils- und Entschlusskraft zu haben scheinen.

So braucht offenbar jeder, der etwas auf sich halten und jemand sein will, aber nicht so recht weiß, wie er es anstellen soll, seinen Personal Coach oder Trainer: für seine Fitness, weil er sich aus eigenem Antrieb nicht bewegen zu können scheint; für seine Personality, weil es ihm an Selbstvertrauen fehlt; für das Styling, weil er sich auf seinen Geschmack nicht zu verlassen traut, und für das psychisch-spirituelle Wohlbefinden, weil er sein Leben lieber nach anderer Leute Maßstab führt, statt es selbst zu verantworten. Das mag im Privatleben jeder für sich halten, wie er will. Es hat aber keinen Platz in der Führung von Organisationen.

Das Handeln von Führungskräften hat typischerweise viele Facetten – und man kann darin ohne Schwierigkeiten auch all die Aspekte entdecken, die die Zeitgeistdiskussion beherrschen. Es mag auch jedem freigestellt sein, einzelne Dimensionen aus dem Ganzen herauszuheben und sie als besonders wichtig zu präsentieren. Und ohne Zweifel gibt es kaum eine Situation, in der die Elemente der Betreuung und Beratung, des Helfens und Unterstützens, des Moderierens und Anleitens nicht vorkämen. Ebenso steht außer Diskussion, dass Menschen in Organisationen diese Dimensionen manageriellen Handelns gelegentlich brauchen, um Leistung zu erbringen.

Manager werden für Resultate bezahlt

Das alles ist aber nicht konstitutiv für die Funktion von Führungskräften. Die erste Aufgabe von Managern ist es, Resultate zu erzielen, und damit den Zweck ihres Unternehmens zu verwirklichen. Das ist der einzige Grund, weswegen man sie braucht, und dafür werden sie bezahlt. Ihre zweite Aufgabe ist es, die Stärken der Menschen, die die Organisation hat, zu nutzen und es ihnen auf diesem Wege zu ermöglichen, erfolgreich zu sein indem sie eine Leistung für das Unternehmen erbringen. Nicht die Veränderung von Menschen und auch nicht die Beseitigung ihrer Schwächen ist Aufgabe der Führung, sondern die Transformation von Stärken in Ergebnisse.

Management ist der Beruf der Wirksamkeit. Es sind nicht Klugheit, Intelligenz, Erfahrung, Emotion, Vision oder Talente, die zählen, sondern ausschließlich das, was man mit ihnen bewirkt und aus ihnen macht. Management ist die Erfüllung klar definierter Aufgaben; es ist Disziplin, Leistung und Verantwortung. Das mag man nun als Konzession an den Zeitgeist auch Coaching nennen. Damit ist allerdings nicht nur nichts gewonnen, sondern die Folge ist Begriffsverwirrung und Etikettenschwindel.

Das alles mag ganz anders gesehen werden außerhalb des Unternehmens und im Privatleben. Dort mag Management als überflüssig und gelegentlich sogar als störend angesehen werden. Im Unternehmen, aber auch in den anderen Organisationen der Gesellschaft die Resultate erzielen müssen, ist Führung aber das unverzichtbare gestaltende und bewegende Organ.

Management muss sich unter Schlechtwetterbedingungen bewähren

Das mag so lange nicht als wichtig angesehen werden, als gute Zeiten vorherrschen, die Geschäfte von allein laufen und es keine Schwierigkeiten gibt. Das ist aber weder typisch für die Wirtschaft noch ein Maßstab für die Qualität der Führung. Management muss sich unter Schlechtwetterbedingungen bewähren, es muss auf die Anforderungen des schwierigsten, härtesten Falles ausgerichtet sein. So lange alles gut geht, braucht man keine Führungskräfte. Dann genügen auch Moderatoren, Betreuer, Koordinatoren, Katalysatoren und Coaches. Das sind Erscheinungen, die in guten Zeiten auftreten als Folge lange anhaltender Wohlstandssteigerung – durchaus sympathisch, in Wahrheit aber Luxus, den man genießt, so lange man ihn sich leisten kann.

Es ist aber fahrlässig, darauf zu bauen, dass es gesamtwirtschaftlich oder für das einzelne Unternehmen immer so sein wird. Die Bewährungsprobe kommt dann, wenn es Schwierigkeiten gibt; wenn es nicht mehr genügt, die Leute nur bei Laune zu halten, Spaß zu haben und sich selbst zu verwirklichen, sondern wirkliche und große Leistung notwendig wird – jene Leistung nämlich, für die bloße Motivation nicht ausreicht. Dann ist echte Führung gefordert.


Unter dem Titel "Malik on Management" gibt der Gastautor auch einen Newsletter heraus.

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