MAN-Chef Hakan Samuelsson hat einen guten Start hingelegt und gibt bislang Finanzinvestoren keine Chance
„Der Schwede liefert“

Hakan Samuelsson, erster schwedischer Vorstandschef in der Geschichte des MAN-Konzerns, hat einen guten Start im Unternehmen hingelegt. Selten hat MAN mehr Geld verdient als in den fünf Jahren seiner Unternehmens-Führung.

MÜNCHEN. Hakan Samuelsson schaut seinem Gegenüber klar in die Augen, redet ruhig, langsam und spart sich überflüssige Worte. Er sagt, was er denkt. Seinen schwedischen Akzent empfand er als Handicap, als er vor fünf Jahren als Nutzfahrzeug-Chef im MAN-Konzern anheuerte. Er befürchtete, dass er sich nicht diplomatisch genug ausdrücken könne. Inzwischen hat er festgestellt: „Die Leute hören mir vielleicht deshalb genauer zu.“

Sicher ging dem ersten schwedischen Vorstandschef in der Geschichte des MAN-Konzerns auch der Ruf von einer gewissen Kühle und großer Beharrlichkeit voraus. Aber dass er so einen Start als Konzern-Chef hinlegen würde, haben ihm selbst Optimisten in der Finanzwelt nicht zugetraut.

Der Aktienkurs des vielfach als Zerschlagungskandidat gehandelten Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns hat sich seit seinem Amtsantritt um fast die Hälfte erhöht. Selten hat MAN mehr Geld verdient als derzeit.

Seit er den Chefposten zum Jahresanfang übernahm, hat sich Samuelsson von allen Randbereichen getrennt. Die Strategie stammt zwar noch von Rudolf Rupprecht, aber der 54-Jährige tut sich bei Trennungen leichter als sein Vorgänger. „Er überlegt gründlich, aber entscheidet schneller“, sagt ein Mitarbeiter.

Das gilt auch bei unangenehmen Themen. In der defizitären Bus-Sparte hat er nicht lange zugeschaut, sondern die Fertigung in die kostengünstigere Türkei verlegt. Die Produktion im Stuttgarter Stammwerk von Neoplan stellt er bis zum Jahresende ein. Das neue LKW-Werk kommt nach Polen. Den deutschen Standort will Samuelsson nicht kaputtreden. Vielmehr betreibt er emotionslos Benchmarking. Und da arbeitet der schwedische Konkurrent Scania eben um ein Fünftel kostengünstiger.

Ankündigungen pflegt der Mann aus dem hohen Norden umzusetzen. „Der Schwede liefert“, heißt es in Analystenkreisen. „Er geht sehr diszipliniert vor“, bestätigt Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank.

Bislang hält sich die Gegenwehr der Arbeitnehmerseite in Grenzen. Denn Samuelsson hat sich klar zu den fünf Kernbereichen Nutzfahrzeuge, Industriedienstleistungen, Druckmaschinen, Dieselmotoren und Turbomaschinen bekannt. „Ich hatte zuerst gedacht, Samuelsson sei ein reiner LKW-Mann und habe nicht den Konzernblick. Das hat sich zum Glück als falsch erwiesen“, sagt die stellvertretende MAN-Aufsichtsratsvorsitzende Gerlinde Strauss-Wieczorek. Die Arbeitnehmervertreterin der IG Metall bemängelt zwar, dass der Schwede so seine Probleme mit der deutschen Mitbestimmung habe. Aber er sei „lernfähig“. Gleichfalls bescheinigt sie ihm, dass er gut zuhören könne, aber bisweilen „stur sei wie ein Elch“.

Zumindest reagiert er in turbulenten Situationen geschickter, als es dieser Tiervergleich erwarten lässt. Den Ausstieg des Großaktionärs Allianz kurz nach seinem Amtsantritt im Januar nimmt er gelassen. „Es beginnt eine neue Ära. Die Position von MAN wird eindeutig gestärkt“, sagt der MAN-Chef, als Spekulationen aufkommen, dass MAN jetzt von Finanzinvestoren zerlegt werde. Im Gegenteil: Samuelsson zeigt keine Angst vor Heuschrecken. Es sei Aufgabe des Managements, die Unternehmen so auf Rendite zu trimmen, dass der Aktienkurs steigt und sich der Einstieg mit anschließender Zerschlagung für einen Finanzinvestor nicht mehr lohnt. Darüber hinaus helfe die Auseinandersetzung mit Interessenten von außen, intern schneller zu Lösungen zu kommen.

Aber es ist nicht das einzige Mal, dass Samuelsson von Heuschrecken zum Tanz gebeten wird. Die Münchener haben ein Auge auf den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen geworfen, der perfekt zu MAN passt. Als die Eigentümerfamilie als MTU-Minderheitsaktionär plötzlich ausschert und dem Finanzinvestor Carlyle den Vorzug gibt, bricht Samuelsson die Verhandlungen mit MTU-Mehrheitsaktionär Daimler-Chrysler ab.

So gern er mit der Übernahme sein Meisterstück gemacht hätte, wenn die Lage unübersichtlich wird, zieht er sich zurück. Ein Preispoker spielt er nicht mit. Schlechte Erfahrungen mit zu teuren Einkäufen hat MAN in den letzten Jahren genug gemacht. Dazu gehört die britische Dieselmotorensparte, die er ebenso wie die Bogendruckmaschinen auf Kurs bringen muss.

Nach dem gelungenen Start mit den Verkäufen braucht Samuelsson Erfolge in den Kernbereichen. Er weiß genau, dass er künftig daran gemessen wird. „Er hat ehrgeizige Renditeziele ausgegeben“, sagt Analyst Denninghoff. Wenn er die nicht erreiche, könne sich das Blatt wenden.

Bislang glauben alle Seiten, dass Samuelsson ein guter Griff gewesen ist. Er geht kühler und strategischer vor als sein Vorgänger. Und er fordert von den Sparten klare Strategien. Wie hart Samuelsson wirklich ist, dürfte sich erst zeigen, wenn sein Konkurrent um den Chefsessel, Gerd Finkbeiner, die Bogendruckmaschinen nicht in den Griff bekommt.

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