MAN-Chef Håkan Samuelsson
Erfolgreich erfolglos

MAN-Chef Håkan Samuelsson macht einen guten Job. Noch nie stand das Traditionsunternehmen besser da als heute. Aber das Schicksal des Mischkonzerns hat er nicht mehr in der Hand.

MÜNCHEN. Wenn MAN-Chef Håkan Samuelsson Quartalsbilanzen vorlegt, dann ist das Zahlenwerk wieder einmal Nebensache. Nicht die voll ausgelasteten LKW-Fabriken sind das wirkliche Thema. Auch die prallen Auftragsbücher bei der Schiffstochter MAN Diesel provozieren keine stürmischen Fragen der Investoren. Und dass der Konzern am gestrigen Mittwoch wieder einmal die Prognosen heraufgesetzt hat, überrascht niemanden wirklich. Alle Fragen an Samuelsson drehen sich stattdessen um das gleiche Thema: Scania.

Seit über einem Jahr tobt nun die Übernahmeschlacht mit dem schwedischen LKW-Rivalen, und der MAN-Chef hat sie selbst angezettelt. Was zunächst als gut kalkulierte Attacke erschien, erwies sich schnell als Bumerang. Galt der Schwede zunächst als der starke Mann, ist er längst der Spielball von Kräften, die mächtiger sind als er. Mag MAN vor dem besten Jahr der Unternehmensgeschichte stehen, Samuelsson ist mittlerweile der Gejagte in dem Spiel. Seit Monaten wird MAN an den Börsen mit einem kräftigen Übernahmebonus gehandelt. Das jüngste Szenario: Scania schluckt mit Hilfe des MAN-Großaktionärs Volkswagen den Münchener Mischkonzern, danach kauft Volkswagen die Schweden. Und die ehrbare Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg würde nach 150 Jahren Unabhängigkeit aus Wolfsburg regiert.

Dabei ist Samuelsson vor zwei Jahren keineswegs als Totengräber des Traditionskonzerns angetreten. Galt sein Vorgänger Rudolf Rupprecht noch als kantiger Patriarch, so führt der Schwede mit einem höflich leisen Tonfall das Konglomerat aus LKW-Produktion und Maschinenbau. Durch die etwas muffig wirkende Konzernzentrale im Norden Münchens weht ein neuer Wind.

„Als Ausländer darf man auch einmal dumme Fragen stellen“, sagt Samuelsson und stellt von Beginn an eigentlich alles infrage, was bei MAN einmal als heilig galt. Gewerkschaften und Betriebsräten rechnet er nüchtern vor, dass die 35-Stunden-Woche in den deutschen Werken nicht mehr zu halten sei. In der Vorstandsetage lässt er die Wände entfernen, seitdem sitzen alle in Großraumbüros. Was nicht mehr zur neuen MAN passt, verkauft er. Das konzerneigene Weingut verschwindet ebenso aus der Bilanz, wie die traditionelle Druckmaschinensparte MAN Roland. Und in der kommenden Woche wird Samuelsson den Grundstein für eine neue, transparente Konzernzentrale legen. Dass MAN als Ganzes erhalten bleibt, ist für ihn keine Frage. Dass er das Unternehmen weiter führen wird, ebenso.

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