Management
Die magische 60

Bei BMW wurde in der vergangenen Woche Vorstandschef Helmut Panke unsanft in Richtung Tür geschoben. Zu Schulden kommen lassen hat er sich einzig die Tatsache, dass er am 31. August 60 Jahre alt wird. Handelsblatt-Redakteur Martin-Werner Buchenau über das Für und Wider einer Altersgrenze für Topmanager.

Bei BMW ist der 60. Geburtstag von Spitzenkräften allemal Grund genug für ein jähes Karriereende. Wie sinnvoll erscheint jetzt anhand dieses Beispiels eine Altersgrenze von 60 Jahren für angestellte Spitzenmanagern in Großunternehmen? Grundsätzlich sendet sie ein fragwürdiges politisches Signal. Wenn alle künftig bis 67 Jahre arbeiten sollen, damit der Generationenvertrag notdürftig am Leben gehalten wird, dann klingt es absurd, dass gerade die „wertvollsten“ oder zumindest bestbezahlten Arbeitnehmer schon mit 60 Jahren aufhören sollen.

Einmal abgesehen von den politischen Implikationen, kann es aber durchaus gute Gründe für Altersgrenzen im Top-Management geben. Ein Unternehmen bleibt flexibler und dynamischer, sofern die Regel wie bei BMW nicht nur für Vorstände, sondern für alle höheren Führungskräfte gilt. Fähiges Personal steigt schneller auf, erreicht in einem Alter Spitzenpositionen, in dem Körper und Geist belastbarer sind. Für die Corporate Governance ist eine klare, transparente Regel gut. Denn unbestritten dürfte sein, dass sich die Gefahr von Seilschaften und Verkrustungen im Management erhöht, je länger der Vorstandschef im Amt ist.

Das gilt für Unternehmen genauso wie für die Politik. Aber die deutsche Politik taugt für die Wirtschaft überhaupt nicht als Vorbild. Ungeachtet welcher politischen Couleur man ist: In der CDU blieben unter der Dauerherrschaft von Altkanzler Helmut Kohl nicht gerade die charismatischsten Persönlichkeiten in der bundespolitischen Führungsriege der Partei übrig. Ähnliche Probleme hat die SPD nach der Schröder-Ära.

Im Gegensatz dazu lohnt der Blick über den Atlantik. Unternehmen könnten durchaus von der US-Politik lernen, haben die Amerikaner doch relativ gute Erfahrungen mit der Begrenzung der Präsidentschaft auf zwei Legislaturperioden gemacht. Wer also eine zeitliche Begrenzung der Macht der Vorstandschefs in Unternehmen befürwortet, hat zwei Möglichkeiten: entweder, wie bei BMW, eine Altersgrenze von 60 Jahren oder die Begrenzung auf zwei Amtsperioden von jeweils fünf Jahren.

Letztere Regelung gibt es bislang zwar nicht. Sie hätte aber den Vorteil, dass ein fähiger Vorstand, der erst mit Mitte 50 an die Spitze stößt, länger im Amt bleiben könnte als bei einer starren Altersgrenze von 60 Jahren. Deshalb ist auch bei den meisten Firmen erst spätestens mit 65 Schluss. Bayer ist mit 63 Jahren etwas strenger, ebenso die Deutsche Bank mit inoffiziell 62. Daimler-Chrysler setzt wie BMW die Grenze bei 60 Jahren, erlaubt aber eine Verlängerung um jeweils ein Jahr. Die Diskussion über die Verlängerung des Vertrages von BP-Chef Lord Browne zeigt, dass das Thema auch in Großbritannien akut ist.

Manche Unternehmen, die die Altersgrenze von 60 Jahren strikt ablehnen, müssen sich fragen lassen, ob dies tatsächlich von Nutzen ist. Wenn ein Topmanager erst 55 Jahre alt werden muss, um das Zeug zum Vorstandschef zu haben, dann ist das reichlich spät. Zumal die psychische und physische Belastung an der Firmenspitze in der Regel ja zu- und nicht abnimmt.

So oder so, maximal zehn Jahre an der Spitze eines Großunternehmens sollten reichen, um Akzente setzen zu können. Ein entscheidender Punkt guter und souveräner Unternehmensführung ist nicht die eigene Machterhaltung, sondern eben auch zum Wohl des Unternehmens geeignete Nachfolger aufzubauen. Denn nur Firmen mit vielen fähigen Mitarbeitern mit der Eignung zum Chef sind auch starke Firmen. Generell sollte in einem guten Unternehmen jeder ersetzbar sein, auch der Vorstandschef.

Das Wichtigste an einer starren Altersgrenze ist deshalb die Umkehr der Beweislast. Wenn die Regel eines Ausscheidens mit 60 Jahren etabliert ist, dann sollte sie auch eingehalten werden, wie im Fall BMW. Nur in klar definierten Ausnahmefällen, beispielsweise bei herausragender Leistung, sollte man sie brechen dürfen. Entschieden werden muss immer im Einzelfall.

Helmut Panke kam nur auf seinen Posten, weil sein Vorgänger Joachim Milberg gesundheitsbedingt vorzeitig passen musste. Im Management-Jargon heißt das „Backsteinlösung“ – fällt der Chef aus, muss schnell jemand die Lücke füllen. Panke war ein guter Ersatzmann. Nicht weniger, aber auch eben nicht mehr. Das haben die Eigentümer so entschieden. Ihnen erschien es offensichtlich vorteilhafter, dass der 50 Jahre alte Norbert Reithofer die Chance auf zwei volle Amtszeiten bekommt, als eine durchaus mögliche Verlängerung von Pankes Engagement.

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