Management
„Du sollst nicht an Forschung sparen“

Unternehmen, die jetzt ihre Innovationen zurückfahren, spielen mit ihrer Zukunft. Wer antizyklisch investiert, verschafft sich Marktvorteile. Einige Firmen machen sogar noch mehr Geld locker als sonst – eine erfolgreiche Strategie.

DÜSSELDORF. Zuweilen ist Stillstand nötig, um etwas voranzubringen. Diese Erfahrung macht derzeit Ines Kolmsee, Geschäftsführerin von SKW Steel. Zwar spürt auch der mittelständische Weltmarktführer für Spezialchemikalien der Stahlindustrie die Rezession. Doch bringt diese auch Vorteile mit sich. Kolmsee: „Wir nutzen die Flaute intensiv, um Innovationen mit unseren Kunden zu verfeinern.“

„Sonst laufen die Anlagen unserer Auftraggeber im Dauerbetrieb. Jetzt finden die Metallurgen dort endlich einmal Zeit und Muße, unsere neuen Produkte industriell zu testen“, erzählt Kolmsee. SKW Steel selbst, 550 Mitarbeiter und 350 Mio. Euro Jahresumsatz, hat keine derartigen Großanlagen. Jetzt an Forschung und Entwicklung zu sparen wäre für Kolmsee genau der falsche Weg. „Nach der Krise können wir eine Reihe verbesserter Produkte und alternativer Methoden zur Stahlbehandlung auf den Markt bringen und durchstarten.“

„Innovation ist jetzt mehr denn je ein Muss. Denn diese Krise wird die Märkte nachhaltig verändern“, ist Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef der Management- und Technologieberatung Accenture, überzeugt. Über 70 Prozent der deutschen Mittelständler sehen das ähnlich. Sie wollen bei Forschung und Entwicklung keinerlei Kürzungen vornehmen. Das ergab die jüngste Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) unter 1 500 Mittelständlern. „Die meisten Unternehmen haben aus ihren Fehlern in der letzten Krise gelernt und lassen jetzt die Finger vom Forschungsbudget“, bestätigt Scholtissek.

Einige Unternehmen machen sogar in der Flaute noch mehr Geld für Innovationen locker als sonst. Sie wollen bewusst antizyklisch investieren und so ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Software AG etwa, Deutschlands zweitgrößtes Softwarehaus, beschäftigte im ersten Quartal dieses Jahres fast 80 Forscher und Entwickler mehr als im Vorjahr, eine Steigerung von 13 Prozent. Der Darmstädter Prozessoptimierer investiert pro Jahr ohnehin etwa ein Siebtel seines Produktumsatzes in Forschung und Entwicklung.

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