Management
Neue Besen kehren auch nicht besser

Kränkelt die Firma, muss der Vorstand meist gehen - so handhaben es die größten deutschen Aktiengesellschaften. Wissenschaftler der FU Berlin fanden nun heraus, dass es der Neue aber auch meistens nicht besser kann als sein Vorgänger.

Lang ist es her, dass ein gewisser Ron Sommer als „König Midas der Börse“ gefeiert wurde. Doch mit dem Dax ging es auch mit der Telekom und dem „Goldjungen“ abwärts. Im Frühjahr 2000 stand er im Zenit. Ab dann wurden die Zahlen schlechter, bis er Mitte 2002 den Sessel räumen musste. Die Suche nach seinem Ersatz verlief stümperhaft: Ein Externer sollte ran, um das Ruder rumzureißen. Letztlich wurde Sommers langjähriger Weggefährte, Kai-Uwe Ricke, zum Nachfolger gekürt.

Ein in seinem hitzköpfigen Ablauf für deutsche Dax-Firmen übliches Verfahren – das oft in fortgesetzte Erfolglosigkeit eines Konzerns mündet. Das belegen Wirtschaftswissenschaftler der Freien Universität Berlin mit ihrer Studie „Entlassung des Vorstandsvorsitzenden und Unternehmenserfolg“, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

Die gute Nachricht: Aufsichtsräte fackeln mit einem Rauswurf nicht allzu lange, wenn der Erfolg ausbleibt und die Zahlen nicht stimmen. Nach zwei Jahren ist – wie bei Ron Sommer – meist schon Schluss.

Die schlechte: Bei der Auswahl des Nachfolgers verlässt die Entscheider ihr Geschick. „Teilweise verschlechtert sich sogar die Performance des Unternehmens“, berichtet Rudi Bresser, Professor für strategisches Management an der FU Berlin und Leiter der Studie, die demnächst in der „Zeitschrift für Betriebswirtschaft“ (ZfB) erscheint. Immerhin: Bei der Telekom scheint der Stabwechsel geglückt.

In ihrer empirischen Untersuchung haben die Berliner Kennzahlen der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften aus den Jahren 1997 bis 2003 analysiert, bei denen es zu einem unfreiwilligen Führungswechsel kam. „Mit Erfolgsindikatoren, die sich am Jahresabschluss orientieren, lässt sich die Entlassung von Vorstandschefs gut vorhersagen: Geringe Performance über zwei Jahren erhöht die Wahrscheinlichkeit eines erzwungenen Führungswechsels“, so Bresser.

„Allerdings schaffen es die Nachfolger der Geschassten nicht, binnen zwei Jahren das Ergebnis des Unternehmens wieder deutlich zu steigern“, so das Fazit der Studie. Der nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“ ausgewählte Ersatz enttäuscht meist. Denn nach dem Rauswurf werden deutlich öfter Externe bestellt, die es aber auch nicht schaffen, die Ertragslage merklich zu verbessern.

Seite 1:

Neue Besen kehren auch nicht besser

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%