Management „Schlecht ausgestattet, relativ nutzlos und alles alte Kerle“ - Studie kritisiert Aufsichtsräte

Eine Studie der Beratungsfirma Alvarez & Marsal legt nahe, dass deutsche Aufsichtsräte häufig den Erwartungen nicht entsprechen.
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Grundlage der Studie waren Interviews mit 20 Führungskräften in deutschen Vorständen und/oder Aufsichtsräten, darunter der ehemalige Adidas-Chef, der im Aufsichtsrat der Allianz SE und der Lufthansa AG sitzt. Quelle: dpa
Herbert Hainer

Grundlage der Studie waren Interviews mit 20 Führungskräften in deutschen Vorständen und/oder Aufsichtsräten, darunter der ehemalige Adidas-Chef, der im Aufsichtsrat der Allianz SE und der Lufthansa AG sitzt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDeutsche Aufsichtsratsmitglieder sind zu alt, zu risikoscheu und verfügen häufig nicht über die notwendigen Fähigkeiten. Das ist nicht die Rhetorik eines aktivistischen Investors, der am Gral deutscher Unternehmensaufsicht rüttelt, sondern die Meinung von einigen der ranghöchsten Führungskräfte des Landes.

Gemäß dem zweistufigen deutschen System sollen die Aufsichtsräte die Risiken überwachen und den Vorstand mit Rat zur Strategie unterstützen. Eine Studie der Beratungsfirma Alvarez & Marsal, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, legt nahe, dass die Aufsichtsräte häufig den Erwartungen nicht entsprechen, verschiedentlich wurden sie als „schlecht ausgestattet“, „relativ nutzlos“ und „alles alte Kerle“ beschrieben.

„Während die deutschen Aufsichtsräte erkennbar sorgfältig und aktiv ihre Aufsichtsfunktion wahrnehmen, sind die Maßnahmen, die sie zur Erfüllung ihrer beratenden Rolle ergreifen, häufig unzureichend und unbedeutend“, lautet eine Schlussfolgerung von Alvarez & Marsal.

Grundlage der Studie waren Interviews mit 20 Führungskräften in deutschen Vorständen und/oder Aufsichtsräten, darunter der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer, der im Aufsichtsrat der Allianz SE und der Lufthansa AG sitzt, sowie der Finanzchef von Thyssenkrupp AG, Guido Kerkhoff.

Rechtsrisiken

Rund 40 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder verfügen über einen Hintergrund in den Bereichen Finanzen, Rechnungslegung oder Recht, ihnen fehlen aber manchmal die Fähigkeiten, das Gesamtbild zu sehen, so die Studie. Darüber hinaus haben sie zu viel Angst vor rechtlichen Risiken und vermeiden harte Entscheidungen. Sie ziehen es vor, „mit dem Strom zu schwimmen“.

„Es besteht die Befürchtung, den Führungskräften oder anderen Aufsichtsratsmitgliedern auf die Füße zu treten, wenn sie ihre Strategie in Frage stellen.“

Die Studie wirft ein besonders ungünstiges Licht auf die Aufsichtsratsvorsitzenden: „Es hat uns überrascht, wie häufig unsere Teilnehmer Aufsichtsratschefs deutscher Firmen beschrieben haben, die weit vom Idealprofil entfernt waren.“

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