Management-Studie
Chef-Wechsel – aber bitte möglichst geräuschlos!

Spektakuläre Abberufungen wie bei Roland Koch sind in Deutschland immer noch die Ausnahme, zeigt eine neue Studie. Doch die Führungsetage der deutschen Wirtschaft steht vor einer großen Umwälzung.
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DüsseldorfCarsten Spohr, Wolfgang Büchele und Timotheus Höttges führen seit 2014 drei große Konzerne, die unterschiedlicher kaum sein können. Die Lufthansa erschrickt ihre Kunden und Anleger allzu oft mit Hiobsbotschaften, wenn ihre Piloten streiken und der Firmengewinn einbricht. Linde dagegen versorgt die Industrie zuverlässig mit Gasen - und das außerordentlich ertragreich. Und die Telekom versucht sich als Ex-Monopolist im harten Wettbewerb vieler kleiner Anbieter zu behaupten.

Doch alle drei Konzerne eint, dass ihre Chefs im vergangenen Jahr unspektakulär und planmäßig ihre Vorgänger abgelöst haben - ohne Indiskretionen, Tratsch und Schmutz, wie es in den großen Firmen vorkommt, um einen Wechsel zu inszenieren. Martin Winterkorn erlebt dieses Ränkespiel gerade bei VW.

Doch skandalträchtige, unfreiwillige Wechsel wie sie Hessens Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch beim Baukonzern Bilfinger und Axel Heitmann beim Chemiespezialisten Lanxess widerfuhren, weil Anteilseigner und der Aufsichtsrat mit den Ergebnissen nicht zufrieden waren, sind in Deutschland die Ausnahme.

Für den Trend stehen Büchele, Höttges und Spohr, und er lautet: In den Vorstandsetagen der 300 größten börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum herrscht Kontinuität. „Die Konjunktur läuft nach wie vor gut, und das verstärkt bei den Unternehmen den Trend zur langfristig geplanten und gut vorbereiteten Nachfolge“, sagt Klaus-Peter Gushurst, Deutschlandchef der Managementberatung Strategy &. Das globale Team von praxisorientierten Strategieexperten (früher Booz & Company) hat weltweit die 2 500 größten börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis für die gut 250 Unternehmen aus Deutschland und weitere 50 Firmen aus Österreich und der Schweiz lautet: Vier von fünf Wechseln (78 Prozent) vollzogen sich 2014 unaufgeregt aufgrund von auslaufenden Verträgen oder festgelegter Altersobergrenzen; weitere zwölf Prozent wegen Übernahmen oder Fusionen. Gerade mal jeder zehnte Chef musste sein Mandat vor Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit niederlegen - unter spektakulärer Anteilnahme der Medien.

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