Management
Wie viele Milliarden darf ein Chef verbrennen?

Ob Siemens, Microsoft oder JP Morgan: Wenn eine Firma die Ziele verpasst oder Milliarden verliert, wird es für den Chef eng. Aber wann muss er den Posten räumen – und wann haben die Aufseher noch Geduld mit ihm?
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DüsseldorfDie ersten sechs Milliarden Dollar Verlust konnten Jamie Dimon nichts anhaben. Selbst als ein Händler – „Londoner Wal“ genannt – einen horrenden Verlust fabrizierte, verhinderte der Chef der US-Großbank JP Morgan eine Aktionärsrevolte. Auf der Hauptversammlung im Mai scheiterte der Versuch, ihm zumindest den Vorsitz des Verwaltungsrat zu entziehen. Dimon behält die Doppelrolle.

Doch jetzt steht dem 57-Jährigen das nächste Debakel ins Haus. Beim Weiterverkauf von Immobilienpapieren an die staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac soll JP Morgan die wahren Risiken des Investments verschwiegen haben. Eine Ausgleichszahlung in Milliardenhöhe steht im Raum, berichtet etwa die „Financial Times“. Jeffrey Sachs, ein prominenter New Yorker Ökonom, fordert offen Dimons Sturz. Ob Dimon wirklich wackelt, ist unklar. Doch der Fall wirft eine Frage auf: Wie viele Milliarden darf ein Firmenlenker verbrennen, bevor er seinen Hut nehmen muss? Wie oft darf er Aktionäre und Aufsichtsräte enttäuschen?

Unfreiwillige Abgänge sind an der Tagesordnung. In Deutschland traf es zuletzt etwa Siemens-Chef Peter Löscher, in den USA geht Microsoft-Chef Steve Ballmer zwar offiziell aus freien Stücken, aber offenbar übte der Aufsichtsrat hinter den Kulissen Druck aus. Etwa jeder fünfte Wechsel an der Vorstandsspitze der 2500 größten Aktiengesellschaften der Welt erfolgt unfreiwillig, so eine Studie der Beratungsfirma Booz & Company.

Auffällig ist, dass die Aufsichtsgremium sehr unterschiedliche Maßstäbe anlegen. JP-Morgan-Boss Dimon überstand zumindest den ersten Milliardenverlust unbeschadet. Dagegen musste sich Siemens-Chef Löscher von der Spitze eines profitablen Konzerns verabschieden. Er verpasste jedoch einige zu optimistische Prognosen. Nach einer Gewinnwarnung folgte die Ablösung.

Ein Minus gefährdet nicht gleich den Job des Chefs – wichtig ist der Ausblick. So investiert Amazon-Guru Jeff Bezos kräftig in neue Geschäftsfelder und nimmt dafür Verluste in Kauf. Der Gründer des Online-Händlers versteht jedoch, den Anlegern diese riskante Strategie zu erklären, etwa mit seinen jährlichen Briefen an die Investoren. Die Börsianer vertrauen ihm: Der Aktienkurs ist derzeit nicht weit vom Allzeithoch entfernt.

Bei Steve Ballmer ist das anders. Der bullige Manager verwies in seiner Abschiedsmail zwar darauf, dass Microsoft während seiner Zeit an der Spitze mehr Dividenden an Aktionäre ausgeschüttet habe als jede andere Firma. Allerdings erkannte der Windows-Konzern auch zu spät den Trend zu mobilen Geräten, der dem angestammten PC-Geschäft inzwischen massiv schadet. Die Aussichten: zumindest ungewiss.

Kommentare zu " Management: Wie viele Milliarden darf ein Chef verbrennen?"

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  • Ab einem bestimmten Level darf ein Manager so viel Geld verballern, bis er seine Schäfchen im Trockenen hat.

    Für die Folgen haften dann die Arbeitnehmer und/oder der Staat/die Allgemeinheit.

    Solange die Staatsanwaltschaften nicht massiv in ihrer wirtschaftlichen Kompetenz aufgepeppt werden wird sich nichts ändern. Es fehlt die Abschreckung durch Freiheitsstrafen. Die Kosten für dieses "Aufpeppen" wären bestimmt nicht höher, als die Kosten durch das Geldverbrennen der Manager.

    Aber Dank der Lobbyisten wird sich nichts ändern, der doofe Bürger muss sich an Gesetze halten, der Manager nicht.

  • Na JA ??? Politiker NICHT MUSTER VORLEBEN ??? Wowereit SETZT FLUGHAFEN MIT IN SAND und MILLIARDEN und gibt für Vorstandsposten auf , den er NUN WIEDER ÜBERNEHMEN WÜRDE GERNE !!! Die BRINGEN ES AUCH GARNICHT MIT VERANTWORTUNG IN ZUSAMMENHANG sondern NUR ALS ANWESENHEIT BEZAHLTER OHNE VERANTWORTEN ZU MÜSSEN . wer HAT DEN NUN IN DEMOKRATIE VERANTWORTUNG BEI SOLCH TUENDEN ??? ALSO IST DOCH WAHR was schon VOR JAHRE GESAGT WURDE :
    http://www.myvideo.de/watch/6043823/EU_Verfassung_Teil_5_10
    EU-Verfassung Teil 5 / 10

    UND ABSAHNEN TUN GANZ andre , die NICHT STEUERZAHLENDE IN DEUTSCHLAND SIND .
    http://www.zeit.de/2012/50/Bank-HypoVereinsbank-Rafael-Roth
    Unter Strippern
    SPD WÄHLEN , HABEN SOGAR DAS RECHT , MIT DOPPELPASS , AUF DEUTSCHER ZU TUN UND WO ANDERS STEUER ZU ZAHLEN MIT ZIEL .:

    UND DEMOKATIE HABEN NICHT UND WIRD UNMÖGLICH GEMACHT und keiner WAR'S ALS SCHULDIGER DA DEMOKRATUR : http://www.taz.de/Transantlantisches-Handelsabkommen/!119525/
    Neue Rechte für Konzerne geplant

  • @HofmannM:
    So sehr ich Ihren Unmut auch nachvollziehen kann, so wenig passt der Kommentar zum Thema. Es ging um durch Manager verballerte Milliarden, nicht um Fehlzuteilung durch die Bundesregierung. Auch wenn diese sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
    Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass Solarworld weit über die Hälfte seiner Einnahmen im Ausland macht. Ganz ohne EEG-Umlage ;-)

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