Management
Zeitenwende in der Unternehmensführung

Spitzenmanager müssen das Credo des Shareholder ad-Value acta legen. Die Krise zwingt sie zu neuer Bescheidenheit - vor allem bei den Gehältern. Die Deckelung von Manager-Bezügen dürfte bald wieder auf den Tisch kommen, vielleicht aktueller denn je.

DÜSSELDORF. Management-Guru Fredmund Malik hat es schon immer gewusst: "Der Kern des Übels ist die aus den USA kommende Corporate Governance." Mit Übel meint er die aktuelle Finanz- und inzwischen auch Wirtschaftskrise, mit dem Kern die Shareholder-Value-Philosophie des Finanzmarktkapitalismus. Malik, einer der bekanntesten Schweizer Professoren für Fragen der Unternehmensführung, ist beileibe kein Gegner der Marktwirtschaft. Sie sei die beste von allen schlechten Alternativen, sagt er. Denn auch die Marktwirtschaft neige zu Fehlentwicklungen, zum Beispiel durch das Shareholder-Value-Credo: die Maximierung des Aktionärsgewinns.

Und damit diese "Irrlehre für Manager" ein Ende hat, empfahl Malik erst jüngst wieder in der Schweizer "Weltwoche" allen Unternehmen, die sich bislang am Shareholder-Value-System orientierten, eine ganz neue Governance. Denn das Problem habe keine ökonomischen Ursachen. Maliks bekannt provokative Thesen finden nicht immer Zustimmung. Doch im Kern sind sich diesmal selbst konservative Governance-Experten einig: Die Führungs- und Aufsichtsprinzipien der Wirtschaft, Corporate Governance genannt, müssen dringend renoviert werden.

Strittig ist nur: Wie radikal muss diese Reform sein? Sollten freiwillige Vereinbarungen zur Unternehmensführung gleich durch Gesetze ausgetauscht werden? Im Jahr eins nach der Lehman-Pleite konzentriert sich die Debatte erst einmal auf diesen Punkt: die Bezahlung der Manager.

Banker, die ihre Unternehmen an den Rand des Abgrunds gefahren haben, werden von den Aktionären, von der Politik und den Medien dazu gedrängt, auf ihre Tantiemen zu verzichten - zumindest und erst einmal für dieses Jahr. Die Schweizer Großbank UBS etwa spart so inzwischen 33 Mio. Franken an Boni. In den USA, dem Mutterland der Krise, und in Großbritannien mussten ebenfalls einige Banker nach öffentlichem Druck klein beigeben.

Doch in Gehaltsfragen dürfte sich eine neue Unternehmensgovernance eigentlich nicht erschöpfen. Klaus Hopt, einer der führenden Gesellschaftsrechtler Deutschlands, will einen Trennstrich zwischen Finanzwirtschaft und Industrie ziehen. Wegen der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Bankensektors wäre ein eigener Kodex vernünftig, meint der Max-Planck-Wissenschaftler.

In Deutschland gibt es seit sieben Jahren einen Kodex für die gesamte Wirtschaft. Unter der früheren Leitung des Aufsichtsratschefs von Siemens und Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, hat eine von der Regierung eingesetzte Kommission inzwischen rund 80 Regeln zur guten und transparenten Unternehmensführung und-kontrolle entwickelt. Sie entsprechen internationalen Standards. Ihre Anwendung durch die Unternehmen ist freiwillig. Börsennotierte Konzerne werden per Gesetz nur gezwungen, einmal im Jahr öffentlich zu erklären, welche Regeln sie nicht anwenden, und das zu begründen. Nur an einer Stelle hat der Kodex bislang versagt. Die individuelle Transparenz der Vorstandsvergütungen ist seit zwei Jahren per Gesetz vorgeschrieben. Die Politik wollte das Zögern der Manager in dieser Frage nicht mehr akzeptieren.

Dass die Entlohnung der Führungskräfte jetzt erneut im Zentrum der Debatten steht, hat einen einfachen Grund. Die Anreizsysteme sind meist auf kurzfristigen Erfolg ausgelegt und gelten damit als ein Verstärker der Krise. Tantiemen und Bonisysteme, so die Kritik, orientieren sich an den Jahreskennziffern. Andere Unternehmensziele als Gewinn oder Aktienperformance spielen nur eine Nebenrolle. Wenig Einfluss haben zudem langfristige Erfolgsfaktoren.

Seite 1:

Zeitenwende in der Unternehmensführung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%