Managementcoach Stefan Wachtel im Wirtschaftsclub „Ich bin ein großer Wagenknecht-Fan“

Er mag das Graumäusige nicht und zu viel Authentizität erst recht nicht. Die gut geprobte Rolle ist ihm lieber. Stefan Wachtel coacht die Großen der Wirtschaft – und bringt sie vom Expertenmodus in den Executive Modus.
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Der Coach war zu Gast im Handelsblatt Wirtschaftsclub. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Stefan Wachtel

Der Coach war zu Gast im Handelsblatt Wirtschaftsclub.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

FrankfurtSein Auftritt ist schillernd. Stefan Wachtel trägt keine klassischen dunkelblauen Anzüge wie die scheinbar uniformierten Banker und Berater. Sein Dress ist ein Statement. Der blaue Anzug ist knallblau, die Nadelstreifen sind extrem und die Krawatte changiert irgendwo zwischen Lila und Pink. Kein Wunder, denn der Management-Coach ist gegen das „Graumäusige“, gegen die Langeweile, aber auch gegen das Abgehobene, wie Handelsblatt-Ressortleiter Daniel Schäfer es auf den Punkt bringt.

Wachtel ist an diesem Abend zu Gast im Handelsblatt Wirtschaftsclub in Frankfurt. Der studierte Germanist und Sprachwissenschaftler stellt sein Buch „Executive Modus – 12 Taktiken für mehr Führungswirkung“ vor.

Von welchen Büchern Sie die Hände lassen sollten
Börsenwitze
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Über Humor lässt sich ja bekanntlich streiten. Im Buch des Finanzprofis Robert Jakob befinden sich, so heißt es in der Mitteilung des Verlags Ellert & Richter, "die 101 besten Börsenwitze und Wirtschaftssatiren zusammengestellt." Glaubt man den Buchmachern, sind die Geschichten von Jakob, der von Haus aus eigentlich promovierter Naturwissenschaftler ist, "hintergründig und herrlich abgedreht." Ich muss ehrlich sein: meine Stimmung hat sich bei der Lektüre leider nicht aufgehellt. Zwar ist das schmale Büchlein mit seinen 189 Seiten schön gestaltet, aber mein Fall ist Jakobs Humor nicht.

(Cover: Ellert & Richter Verlag)

Wie Sie sich die besten Aktien der Welt kaufen
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Sie legen Ihr Geld noch bei der Bank an? Dann wissen Sie ja, dass die Zinsen nicht mal für ein schickes Essen mit der Familie reichen. Eine Erfahrung, die auch der Berliner Autor Christian Thiel gemacht und sich daraufhin der Börse zugewandt hat. Sein Ziel: die besten Aktien der Welt zu finden. Offenbar mit Erfolg, denn: dem Psychologischen Berater ist es sogar gelungen, den Index zu schlagen. Der Traum eines jeden Investors. Wie er das geschafft hat? Davon handelt sein Buch “Schatz, ich habe den Index geschlagen! Wie ich auszog, die besten Aktien der Welt zu kaufen”, das gerade im Campus Verlag erschienen ist. Thiel beschäftigt sich seit 18 Jahren mit der Börse und man spürt als Leser sehr deutlich, dass er beim Thema Geldanlage seine Leidenschaft gefunden hat. Seine Ideen und Strategien beschreibt er auf den rund 223 Seiten so anschaulich und lebendig, dass man am liebsten direkt zum Laptop laufen und sich ein eigenes Online-Depot eröffnen möchte. Literarische Analysten-Einschätzung zum Buch: Buy, Buy and Hold.

Schnell, laut, dumm: Werden Sie bitte keine Finanz-Diva!
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Aufklärung in Gelddingen tut not. Dazu brauchen wir ein Minimum an solidem Wissen und niemand muss zum Finanzexperten werden, nur weil er sein Erspartes selber erfolgreich verwalten und sein Vermögen vermehren will. Doch nicht jedes neue Buch, dass dazu veröffentlicht wird, ist empfehlenswert. So führt uns die studierte Betriebs- und Volkswirtin Katja Eckardt in ihrem Ratgeber “Reichtum ist Frauensache - Werde eine Finanz-Diva” nicht nur den Unsinn von speziellen Anlagebüchern “for women only” vor Augen, sondern verstört auch noch mit Randbemerkungen, die sich selbst mit Wohlwollen noch als fremdenfeindlich interpretieren lassen. Damit bringt sich die Autorin selbst zu Fall. Schade eigentlich, denn ein paar gute Ideen zum Vermögensaufbau - flott und alles auch sehr verständlich erklärt - sind auf den 250 Seiten schon dabei. Auch der Ansatz, Frauen dabei zu unterstützen, der Armutsfalle zu entkommen, zu eigenem Reichtum und einer unabhängigen Zukunft zu gelangen ist so schlecht nicht gewählt. Doch all ihren schrägen Vorurteile überwiegen diese Vorteile. Und zwar gravierend. Der Literatur-Broker rät: Strong sell.

Der Bestseller: Crahskurs Börse
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Wie funktioniert die Börse? Wie kommen Kurse zustande? Warum funktioniert Charttechnik? Welche Kennzahlen sind überhaupt wichtig und wie und wo kann ich ein Depot eröffnen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die drei Autoren Grebe, Grundmann und Phillipps in ihrem Buch “Crashkurs Börse” (völlig überarbeitete Erstauflage aus 2008), das umfassende und anschaulich aufbereitete Informationen liefert und kaum Fragen offen lässt. Crahskurs Börse geht weitaus tiefer in die Materie als Thiel und Eckardt, was an manchen Stellen durchaus Mühe bereitet. Im Gegensatz zu Thiels Buch “Schatz, ich habe den Index geschlagen” schadet es bei “Crashkurs Börse” daher nicht, wenn Sie über etwas Grundwissen in Sachen Wirtschaft und Geldanlage verfügen. Zwar erklären die Autoren viele Themen sehr ausführlich und nachvollziehbar anhand konkreter Rechenbeispiele, aber wenn es um die komplexen Zusammenhänge am Kapitalmarkt geht, ist der Kopf schnell vollgeladen mit wertvollen Informationen - und raucht. Zweifellos ist man aber nach der Lektüre fit für den Start einer eigenen Trader-Karriere und mit “Crashkurs Börse” steht ein Standardwerk für Einsteiger und Fortgeschrittene im Regal, das sich nicht zuletzt auch wegen der vielen nützlichen Tipps und Tricks immer wieder zum Nachschlagen in die Hand nehmen lässt.

Konzentration bitte!
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Dieses schmale Buch von Marco von Münchhausen hat es in sich und es könnte derzeit keine bessere Lektüre geben für all diejenigen, die ununterbrochen unterbrochen werden. Von Kollegen, von Whatsapp-Nachrichten und natürlich auch von E-Mails. 85 Prozent aller Mitarbeiter antworten innerhalb von zwei Minuten auf eine Mail - 70 Prozent sogar innerhalb von sechs Sekunden! Da bleibt wenig Zeit zum Nachdenken. Konzentration - das verlorene Gut. Wo genau sie uns abhanden gekommen ist, welche Folgen das hat und wie wir sie wieder finden können, beschreibt Münchhausen sehr gut und anschaulich anhand vieler Tipps in „Konzentration - Wie wir lernen, wieder ganz bei der Sache zu sein“, das bei Gabal erschienen ist.

Es sind die kleinen Dinge...
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Wenn Sie dann endlich wieder ein bisschen Zeit freigeschaufelt haben, lohnt sich ein Blick in „The Book of You“, das gerade bei Mosaik erschienen ist. In diesem Buch stecken 365 wunderbare Micro-Actions, also kleine Ideen für den Alltag, die das Leben nicht nur bunter, sondern jeden Tag auch ein bisschen besser machen. Die Autoren Nora Rosendahl, Nelli Lähteenmäki und Aleksi Hoffman sind Gründer einer Online-Community, in der man sich gegenseitig kleine Aufgaben stellen und sich über gemeinsame Erfolgserlebnisse austauschen kann. Ein Tipp passt sogar ziemlich gut zum vorherigen Buch: „Digitale Hinweise abschalten: Wie soll man sich konzentrieren, wenn alle 30 Sekunden etwas piepst, summt oder aufpoppt? Die digitale Fußfessel kann die Produktivität deutlich drosseln. Setze eigene Prioritäten und schalte heute einen oder mehrere dieser Hinweise ab.“

Sex. Macht. Spass. Und Probleme.
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Das Buch von Margarete Stokowski ist nicht nur bitterböse und lustig und sehr persönlich, sondern auch scharfsinnig und befreiend. Und in meinen Augen ein sehr wichtiges Buch. „Untenrum frei“, erschienen bei Rowohlt, habe ich binnen weniger Tage gelesen, denn es ist so klug und gut aufgeschrieben, dass man es einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Es geht um Rollenbilder und Schamgefühle und darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird deutlich: Es ist dieselbe. Wer jetzt Angst vorm Feminismus hat, dem sei gesagt: Für Stokowski ist die feministische Weltherrschaft keine Option und sie stellt klar: „Erstens, weil Weltherrschaft generell keine Option ist, und zweitens, weil es um die Abschaffung von Herrschaft geht und nicht um ihre Umkehr.“ Bitte lesen!

Wirkung ist das große Thema des Coaches. Das größte Problem vieler Manager? „Viele scheitern, weil sie im falschen Film sind“, so Wachtel. „Machen Sie sich bewusst, in welchem Film Sie spielen, proben Sie Ihre Rolle.“ Eine Rolle? Das macht Moderator und Gäste skeptisch. „Wir haben doch Jahrzehnte lang gelernt, dass wir authentisch sein sollen“, wirft Schäfer ein. Doch davon will Wachtel nichts wissen. Zu viel Authentizität schade nur. Komplett verstellen und verbiegen müsse man sich aber auch nicht. Es sei wichtiger, authentisch zu wirken als authentisch zu sein.

Schäfer hakt nach. Schließlich habe doch der große Schriftsteller Oscar Wilde einst gesagt: „Sei Du selbst, alle anderen sind schon vergeben.“ Wachtel kontert mit einer anderen Aussage des Iren. Der habe nämlich auch gesagt, dass die Natürlichkeit die schwierigste aller Posen sei. Auf die richtige Mischung komme es an, so Wachtel, die „richtige Balance zwischen Rolle und Authentizität“.

Und auf den richtigen Auftritt. „Was Menschen sehen, wenn sie andere beurteilen, ist der Schein“, so Wachtel. „Es ist nichts Unethisches daran, am Schein zu arbeiten.“ Der Experte für den perfekten Auftritt weiß, wer vor Menschen reden muss – ob bei einem Vortrag, seinem Team, der Vorstandssitzung oder auf der Hauptversammlung –, will Menschen begeistern und nicht betrüben oder einschläfern. Oder in seinen Worten: „Auch Erbsenzähler und Korinthenkacker mögen schöne Geschichten.“

Und deshalb kann Wachtel auch überhaupt keine selbsterklärenden Charts leiden. „Was soll das überhaupt sein“, fragt er die gut 100 Gäste. „Wie oft haben sie diesen Unsinn schon gehört?“ Irgendwie sei das aber typisch Deutsch. „Wir haben im Grunde zwei Eisenkugeln am Bein, die verhindern, dass wir weiterkommen“, sagt er. „Wir sind Experten, wir sind deutsch.“ Das Publikum lacht.

Spitzenmanager müssen Wirkung erzeugen
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3 Kommentare zu "Managementcoach Stefan Wachtel im Wirtschaftsclub: „Ich bin ein großer Wagenknecht-Fan“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette[/i] 

  • "Er mag das Graumäusige nicht und zu viel Authentizität erst recht nicht."

    Was ist denn das für ein Schwachsinn?

    Das man etwas "graumäusiges" nicht mag, kann ich nachvollziehen.
    Aber dass man "Authenzität" nicht mag muss der "Coach der Großen der Wirtschaft" mal plausibel machen.

    Obwohl: wenn er seine Klientel so "gecoacht" hat, braucht man sich über die "Beliebigkeit" und "Prinzipienlosigkeit" der heutigen "Eliten" nicht wundern.

  • Wenn schon jemand ein Fan von einen anderen ist, dann kann dieser Jemand niemals seinen eigenen Stil, Sichtweise, Standpunkt vertreten, weil er niemals gelernt hat selbstständig (anders als das "Alte") zu denken.

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