Managementgeschäft
Die Halbwertzeit der Bosse sinkt

Mit dem unerwarteten Abgang des Metro-Chefs Hans-Joachim Körber wird innerhalb kurzer Zeit der sechste Topmanager aus der deutschen Wirtschaft ausgetauscht. Ein weiterer Beleg dafür, dass das Managementgeschäft sich mehr und mehr internationalen Gepflogenheiten annähert. Und in Zukunft könnte es Vorständen noch schneller an den Kragen gehen.

DÜSSELDORF. „Metro ist ein weiteres Beispiel für die wachsende Kurzatmigkeit“, sagt Manuel René Theisen, Wirtschaftsprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Die Verweildauer der Vorstände ist dramatisch gesunken.“ Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton (BAH) hat gezeigt, dass der Chefwechsel bei heimischen Konzernen inzwischen ein sehr hohes Tempo erreicht hat.

Vor Körber mussten schon Bernd Pischetsrieder bei Volkswagen, Kai-Uwe Ricke bei der Deutschen Telekom und Klaus Kleinfeld bei Siemens ihre Posten unfreiwillig räumen. In wenigen Tagen folgt ihnen Harry Roels bei RWE. Jürgen Schrempp verließ Daimler-Chrysler vorzeitig wie auch kürzlich Wulf Schimmelmann die Postbank. Nach Auffassung der BAH-Berater spiegeln die teilweise spektakulären Wechsel einen grundsätzlichen Wandel in der Beziehung zwischen Unternehmensvorständen, Aufsichtsrat und Investoren wider. Zudem forderten Übernahmen und Fusionen sowie stetig steigende Anforderungen an die Unternehmenslenker ihren Tribut.

Im jüngsten Fall Metro dürften die neuen Machtverhältnisse eine besondere Rolle gespielt haben. Die Familie Haniel hatte sich erst vor wenigen Wochen gemeinsam mit einer zweiten Investorengruppe die Mehrheit beim Handelskonzern Metro gesichert. Differenzen über die Ausrichtung von Metro führten daher zum schnellen Trennung von Vorstandschef Körber, der immerhin acht Jahre an der Spitze stand.

Laut BAH-Studie nahmen im vergangenen Jahr weltweit 14,3 Prozent aller CEOs (Vorstandsvorsitzende) ihren Hut. Ein Jahr zuvor waren es 15,5 Prozent. Dieser etwas verlangsamte Austausch gelte allerdings nur für USA und Asien, heißt es. In Europa dagegen seien die Zahlen auf das Rekordniveau von 15,4 Prozent gestiegen. Im deutschsprachigen Raum (also einschließlich Schweiz und Österreich) kletterte die Wechselquote von 9,7 Prozent auf 10,7 Prozent im abgelaufenen Jahr. „Im vergangenen Jahr hat sich ein Trend zu vermehrten Wechseln an der Unternehmensspitze abgezeichnet. Dieser setzt sich aktuell weiter fort“, kommentiert Klaus-Peter Gushurst, Senior Partner bei Booz Allen, das Ergebnis der Studie.

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